die evangelische Petrikirche in Mülheim von Osten

Althofstraße 1

die Kirche bei Wikipedia

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Mülheim an der Ruhr

kommt urkundlich zuerst 1093 vor, woselbst dort ein Graf Bernher eine Gerichtstag hält, an welchem neben dem Abte von Werdenn eine Anzahl angesehener Personen aus dem Ruhrgau teilnahmen. Gleichzeitig macht Konrad von Mulenheim eine Schenkung an das Werdener Kloster. So war es also hier ein Edelhof, auf dem sich auch die Gerichtsstätte für den Bezirk befand. Die Herren von Mülheim erscheinen 1141 noch einmal und verschwinden dann aus der Geschichte. Das Erlöschen so vieler Adelsfamilien im 11. und 12. Jahrhundert ist wahrscheinlich eine Folge der Kreuzzüge. Mancher Sprosse ritterbürtiger Geschlechter, der zur Befreiung des heiligen Landes auszog, starb verhungert und ermattet im heiligen Wüstensande oder ließ unter dem Krummschwert der Türken sein Leben. Der Hof der Herren von Mülheim, Altenhof genannt, auf dessen Stelle heute der alte Markt sich befindet, ging dann in den Besitz der Grafen von Altena über, die in unserer Gegend noch eine Anzahl anderer Höfe besaßen.

Auf dem Altenhof erhob sich die Kapelle, die dem heiligen Petrus geweiht war, welcher Umstand schon auf ein hohes Alter schließen läßt. Mit derselben war das Asylrecht für Missetäter und Verfolgte verbunden. Um die Kirche entstanden schon bald kleine Ansiedlungen, die mit einigen entfernten das Gericht und Kirchspiel Mülheim ausmachten. Dasselbe erstreckte sich bis zur Abtei Werden, dann weiter bis zum Stifte Essen,über Kipperheide bis zum Gericht Meiderich und Duisburg. Es war ein Schöffengericht und gehörte unter die Hoheit der bergischen Grafen, wie 1265 ausdrücklich gesagt wird. Die Vorsitzenden im Gericht waren die Schultheißen des Amtes Angermund, dem Mülheim unterstand, bis 1397 ein selbständiger Amtmann in Mülheim mit Namen Johann Kuckelsheim auftritt. Neben dem Schöffengerichte bestand noch das Hofgericht im Altenhof für die zum Hofesverband gehörigen Unterhöfe. Dasselbe entschied bei Pacht und Verkauf, Verschreibung und Besitzübernahme, Wege-, Feld-, Wald- und Hofesangelegenheiten.

Im Jahre 1399 sah sich der Herzog Wilhelm von Berg durch seinen unglücklich verlaufenen Kampf mit Cleve-Mark gezwungen das Kirchspiel Mülheim "mit Gerichten und Herrlichkeiten hoch und nieder, mit Wasser, Weiden, Holz und Leuten, mit Rechten, Renten und Einkünften, nichts ausgeschieden" an den Grafen Dietrich von Cleve-Mark zur Deckung seiner Kriegskassen zu verpfänden. Ausgenommen war Broich, das als selbständige Herrschaft bestehen blieb. So war Mülheim klevisch geworden. Das Schloß Broich, an der Grenze des klevischen Landes gegen Kurköln aber wurde bald der Anlaß zu einer Fehde. Köln und Cleve strebten nach dessen Besitz. 1443 eroberte der Erzbischof Dietrich II. Graf von Mörs, unterstützt vom Herzog Gerhard von Berg das Schloß, und nun gingen Kirchspiel und Dorf Mülheim in kölnischen Besitz über. Aber schon 1446 wurde der Graf Wilhelm von Limburg, Herr von Broich, auch Amtmann von Mülheim, aus welchem Verhältnis sich allmählich die Landeshoheit der Herrschaft Broich im Kirchspiel Mülheim entwickelte, das von Broich schon im 16. Jahrhundert nicht mehr unterschiedensondern als "bergische Unterherrschaft" bezeichnet wird. In der Folge sind dann die Geschichte Mülheims mit denen des Schlosses Broich eng verbunden. Es huldigte dem neuen Landesherren und erhielt von diesem die Versicherung seines Schutzes, wofür es ihm wieder Geld zahlte.

Bald sollten schwere Tage für das Dorf Mülheim anbrechen. Graf Wirich von Broich galt als Haupt der protestantischen Partei, und so kam es, daß in den spanisch-niederländischen und truchsessischen Kriegen die Mülheimer Gegend viel unter feindlichem Kriegsvolk zu leiden hatte. Insbesondere haben die Spanier hier grausam gewütet. Seit 1584 wiederholten sich die Plünderungen von Jahr zu Jahr. Bezeichnend für die Mutlosigkeit der Bewohner ist folgender Vers:

"Wer im 86. Jahr (1586) nit wird verderben
und im 87. Jahr nit sterben
und im 88. Jahr nit erschlagen,
der soll im 89. Jahr von gutem Glück wissen zu sagen."

Wirich von Broich, auf den es die Spanier besonders abgesehen hatten, wurde 1598 in seinem Schlosse angegriffen und mußte, da dasselbe den schweren Geschützen nicht standhalten konnte, dasselbe übergeben. Einige Tage später fiel er selbst durch Meuchelmord. Im folgenden Jahre wurden die Feinde vertrieben, aber 1605 lagerten sie wieder in Mülheim. Die Bewohner schafften Lebensmittel und Getränke im großen Mengen herbei, um vor Raub und Plünderung bewahrt zu bleiben. Aber bald kam die Rache. 1609 rückten die Holländer an, und am Kirchhofe zu Mülheim entspann sich ein blutiger Kampf, in dessen Verlauf die Spanier vernichtet wurden. - Dann folgte der 30jährige Krieg, der wiederholt Spanier, Franzosen, Holländer, Schweden, Bayern und kaiserliche Truppen nach Mülheim warf und seine Bewohner zu armen Leuten machte.

Unter der französischen Fremdherrschaft wurde Mülheim 1808 zur Stadt erhoben und als Munizipalität dem Kanton Duisburg zugeteilt. Mit dem Übergang an Preußen begann dann Mtte des 19.Jahrhunderts der allmähliche Aufschwung der Stadt, der mit Schiffahrt und Handel, Kohlenbergbau und Eisenhüten, Papier-, Tabak- und Textilindustrie, Brauereien und Gerbereien eng verbunden ist. War vor 200 Jahren Mülheims bekannteste Persönlichkeit der Dichter Tersteegen, so sind es heute führende Männer der Großindustrie: August Thyssen und Hugo Stinnes.

Mülheim, das 12228376 Einwohner zählt, hat sich trotz der vielen Fabriken den Cahrakter einer freundlichen Stadt zu erhalten gewußt. Vonn sehenswerten Gebäuden sind Schloß Broich, Schloß Styrum und die alten Winkel an der Petrikirche zu nennen. Dort steht noch eine Anzahl Fachwerkbauten auf massiven Grundmauern und überstehendem Stockwerk. Manche Häuser sind mit Schiefer bekleidet, getüncht oder haben geschnitztes Balkenwerk; auch grün gestrichene Fensterläden sind vorhanden. Mülheim bildet die Nordgrenze des bergischen Hausbaus. Daneben machen einige Patrizierhäuser den freundlichen Eindruck, den man von Mülheim erhält, noch vollständiger. Die vielen Mühlen an der Ruhr, die dem Orte den Namen gabe, sind längst verschwunden, statt ihrer ziehen sich am Flusse prächtige Anlagen hin, die bei schönen Tagen viel besucht werden.

Im Mittelalter hat es auch in Mülheim Hexen gegeben. Dieselben wurden an dem Ruhrwehr bei Schloß Broich zur Hexentaufe geführt. Einer solchen Hexe hatte der Teufel versprochen, er wolle ihr helfen. Sie sollte von ihm eine Eisenstange erhalten, damit sie untersinke, dann könne sie das Eisen in den Fluß fallen lassen, und wieder emporsteigen. Als nun die Hexe in die Ruhr geworfen wurde, drückte ihr der Teufel etwas in die Hand, aber sie sank nicht unter. Es war nur eine Nähnadel gewesen, die das Gewicht der Frau nicht erhöht hatte. Man zog sie aus dem Wasser und verbrannte sie auf dem Scheiterhaufen.

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