Innenhof von Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr

Am Schloss Broich 28

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Wie schon erwähnt wurde, gehörte Mülheim seit dem Ausgange des Mittelalters zur bergischen Unterherrschaft Broich, die nach dem der Stadt gegenüber sich auf einem Hügel am linken Ruhrufer  erhebenden

Schloß Broich

benannt war. Dieser Lage widerspricht eigentlich der Name, der Broich=Bruch, ein sumpfiges Gelände bezeichnet. Aber es ist möglicher Weise der Name der Gegend auf das am Rande der sumpfigen Ruhrweidensthende Schloß übertragen worden. Wann dieses erstand, läßt sich nicht sagen, doch weist das einfache Wappenschild  seines ersten Besitzers auf ein sehr hohes Alter hin. Urkundlich treten die Dynasten von Broich zuerst 1093 in der unter Mülheim genannten Schenkung mit Burkhard von Brucke auf. Um 1190 war Schloß Boich in dem Besitz des mächtigen Erzbischofs von Köln Philipp von Heinsberg wahrscheinlich als Pfand. In diesem Jahre lösen die Brüder Dietrich und Everwin es um400 Mark wieder ein. Damit verschwindet auch die Fühlung mit Köln, und mehr und mehr finden wir die Herren von Broich im Gefolge der Grafen von Berg.

Der bedeutendste war Burkhard III., der eine angesehene Persönlichkeit, aber auch ein streitbarer Herr gewesen ist. Er war vermählt mit Agnes, einer Tochter Friedrichs von Isenberg und vergrößerte die Besitzungen seines Hauses um Güter auf der linken Rheinseite. Verschiedene Einfälle, die er in das Stift Essen unternahm, hatten zur Folge, daß die Äbtissin beim Papste sich über ihn beklagte. Doch gab Papst Alexander IV. dem Dechant von St. Gereon zu Köln, der Burkhard exkommunizieren wollte, strengen Befehl, dies nicht ohne seine besondere Anweisung zu tun. Ein Beweis, daß der Herr von Broich in Rom in hohem Ansehen stand. Er starb um 1250. Seine Schwester Irmgard war später Äbtissin des Stiftes Essen. Der letzte aus dem Geschlecht der von Broich hieß Dietrich III. . Dieser, seit 1367 Amtmann von Angermund, hinterließ drei Töchter, von denen die älteste mit dem Grafen Dietrich V. von Limburg (aus der hohenlimburgischen Linie) vermählt war, der dann Broich 1372 erbte und den Titel Herr von Broich annahm.

Er geriet schon bald mit dem Grafen von Berg, der schon lange ein Auge auf Broich geworfen hatte, in Schwierigkeiten. Die Fehde zog sich bis 1376 hin und endete damit, daß Dietrich seine Schlösser Hohenlimburg und Broich ("das Haus Brochge, das oberste Haus mit mit der Vorburg und mit der Festung") dem Grafen übergeben mußte und es dann wieder als Lehen empfing. Die Belehnung erfolgte im folgenden Jahre. So war also Broich, das bis dahin ein freier Allodialbesitz gewesen, 1377 eine Unterherrschaft des späteren Herzogtums Berg geworden. Dies Vasallenverhältnis tritt zuerst 1397 in Erscheinung, wo sich Dietrich mit seinen Beiden Söhnen dem Herzoge von Berg zur Kriegshilfe wider den Grafen von der Mark verpflichtet und diesem seine Schlösser und 25 Gewappnete zur Verfügung stellt. Die beiden Söhne Dietrichs teilen nach dem Tode des Vaters 1408 das Erbe in der Weise, daß der jüngere Dietrich IV. Schloß Broich bekam. Im Jahre 1432 trug er "die ganze Burg und Festung Broich" dem Herzog Adolf von Kleve-Mark zum Lehen an, worauf sogleich ein herzoglicher Schutzbrief für ihn ausgestellt ward. Was ihn zu diesem Schritte bewogen hat, kann nicht mit Bestimmtheit angegeben werden.

1438 wollte Dietrich, der kleinen Überfällen auf reisende Kaufleute nicht abhold war, kölnische Bürger, die er gefangen hielt, nicht hearusgeben, weshalb der Erzbischof vor Schloß Broich zog und dieses belagerte. Durch Verwendung des Herzogs von Kleve, ward der Streit beigelegt. Aber nun zerfiel er mit seinem Burgherrn, der ihn "wegen seines ungeläufigen Betragens, mit Raub, Brennen, Fangen der Untersassen und Straßenschändungen" in seinem Schlosse belagerte und seines Lehens für verlustig erklärte. Mit Broich wurde Heinrich, der Sohn Dietrichs, belehnt, doch mußte er die Zusicherung geben, seinen Vater nicht auf der Burg zu dulden. Dieser starb schon bald.

Aber auch Heinrich von Broich hielt sich nicht lange. Von seinem Vater hatte er den Sinn für Fehde und Streit geerbt. 1440 beraubte er die Abtei Werden, 1441 plünderte er das Heinsbergische Dorf Brakel. Das hatte zur Folge, daß 1443 der Erzbischof  von Köln und der Herzog von Jülich-Berg Schloß Broich 16 Tage lang berannten und dann in Besitz nahmen.  Drei Jahre lang war nun die Herrschaft Broich je zur Hälfte kölnischer und bergischer Besitz. 1446 fiel sie an Heinrichs Bruder Wilhelm II. von Limburg als bergisches Lehen, jedoch nur zur Hälfte, da in einem Teile des Schlosses eine kölnische Besatzung in Stärke von 75 Mann lag, bis 1478 Köln wahrscheinlich stillschweigend auf seinen Anteil verzichtete.

Mit Johann IV. Herrn von Limburg und Broich erlosch 1508 das Geschlecht der Hohenlimburger, und Broich kam mit Irmgard, der Tochter seier Schwester Maria , an deren Gemahl Wirich von Dhaun- Falkenstein. Unter seinem Enkel brach eine schwere Zeit über Broich herein. Es war dieZeit des niederländisch-spanischen Krieges, der auch unsere Gegend stark heimsuchte. Graf Wirich IV. von Broich, der als Haupt des Protestantismus galt und als Führer der bergischen Landstände eine geachtete Stellung einnahm, hatte sich den Haß der Spanier in besonderer Weise zugezogen. Unheil ahnend, tat er alles, um durch Verschanzungen und Versorgung der Bauern mit Kriegsgerät gegen Überfälle gewappnet zu sein. Schon 1587 war ihm geraten worden, sich und seine Familie (seine Gattin war die frühere Essener Äbtissin Elisabeth von Manderscheid) in Sicherheit zu bringen. Aber vergeblich. Da nahte das Verderben. 1598 zog der spanische Heerführer Mendoza mit 3000 Truppen vor Broich. Es unterliegt keinem Zweifel, daaß dieser beabsichtigte, das Haupt der protestantischen Partei unschädlich zu machen und Broich in seine Hand zu bekommen. Mit 100 Mann klevischer Truppen und einigen Bauern, die mit Korn in das feste Schloß geflüchtet waren, setzte Wirich sich zur Wehr. Aber da die Befestigungen den feindlichen Geschützen nicht standhalten konnten, sah sich der Graf genötigt, Broich gegen das Versprechen freien Abzugs zu übergeben. Kaum aber verließen seine Leute das Schloß, als sie von den Spaniern erbarmungslos niedergemetzelt wurden. Einige Tage später holten zwei Spanier den Grafenzu einem Spaziergange ab. Von diesem kehrte  er nicht mehr heim; am Ufer der Ruhr wurde er von ihnen erstochen.

Die Folge dieser elenden Mordtat war, daß die Stände in Dortmund sich beim Kaiser über das Unwesen der Spanier beschwerten und gleichzeitig Mendoza zur Bestrafung der Mörder aufforderten. Aber was half dies, Mendoza und auch der Oberbefehlshaber des Heeres, der Graf vom Berge, entschuldigten sich; doch die Truppen verübten weiter ihre Greueltaten, und als der jüngste Sohn des Ermordeten im Februar 1607 sich mit einigen Rittern nach Dortmund begeben wollte, ward er auf dem Wege dorthin von spanischen Söldnern erschossen. Eine glücklichere Zeit schien mit Wilhelm Wirich von Broich 1623 - 1682 über das Ländchen kommen zu wollen. Er baute das Schloß wieder auf und suchte auch sonst in jeder Weise die Spuren der langen Kriegsjahre zu tilgen. Von seinen vier Söhnen starben drei im Kindesalter, und als Erbe blieb nur noch Karl Alexander übrig. Aber dieser, ein hoffnungsvoller Jüngling von 16 Jahren, wurde 1659 von seinem Verwandten, dem Grafen Moritz von Limburg-Styrum, erschossen. So fiel die Herrschaft Broich an den Gemahl der ältesten Tochter Wilhelm Wirich aus dem Hause Leiningen-Heidesheim. Er und seine Tochter haben Broich nur selten aufgesucht. Ein "gräflicher Hofrat" erhob die Einkünfte und führte sie nach Heidesheim ab. Nach dem Tode Christian Karl Reinhards erhob sich 1766 um das Erbe ein Streit, in dessen Verlauf der Kaiser Broich als Reichslehen einziehen wollte. Endlich kam die Herrschaft an die zweite Tochter der Verstorbenen Marie Luise Albertine, die Gemahlin des Landgrafen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt. Sie war eine sehr liebenswürdige Frau und hat Broich mehrmals bewohnt. In diese Zeit fällt auch der Besuch ihrer Enkelinnen Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz, von denen die erstere die Gemahlin des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen wurde. Noch manche Erinnerungen an sie leben unter Mülheimern und Broichern fort.

Nach dem Tode der Landgräfin kam Broich 1817 an ihren Gemahl, der ihr aber schon 1818 im Tode folgte. Nun fiel das Schloß an den Sohn Georg Karl von Hessen; dann kaufte es Ende der 50er Jahre der Kaufmann Eduard Stöcker und ließ es zu Privatwohnungen umbauen.

Schloß Broich ist mit der Schwanenburg in Kleve und Schloß Burg an der Wupper, die größte Hofburg am Niederrhein. Es hat drei Höfe, den Viehhof, den Schloßhof und den alten Burghof und besteht aus zwei Hauptteilen, die durch ein Burgtor verbunden sind. Der älteste Teil ist das rechter Hand gelegene und nur noch teilweise erhaltene Hochschloß, dessen Grundmauern bis in das 12.Jahrhundert hinaufreichen. Der mächtige Bergfried, der sich mitten im Hofe erhob, ist vollständig abgetragen worden. Die Ringmauer, an einer Stelle 12 Meter hoch, ist  von außerordentlicher Stärke und zeigt stellenweise noch die Schießscharten aus vergangenen Zeiten. Das Herrenhaus wurde um 1400 erbaut, dann fanden, wie oben erwähnt, von 1644 - 1648 umfangreiche Neu- und Anbauten statt, was durch zwei Inschriften bezeugt wird. Neben der "Schiefhacke", dem Rundturm an der Nordwestseite des Schlosses, ist zu lesen:

ANNO 1644 HABEN WIR
W W V D G Z F

(Wilhelm Wirich von Dhaun, Graf zu Falkenstein).
DIESE GANZE SEITE DVRCH GOTTES
BEYSTAND NEW AVS DEM FVNDA
MENT HERAVS BIS OBEN ZV LAS
SEN VERMAVERN. GOTT DER ALLMÄCH
TIGE WOLLE VNS WEITER SEINEN GOTT
LICHEN SEGEN VND GEDEIEN VERLEIHEN:

Ferner ließ dieser das Portal erneuern, woran das Dhaun-Falkenstein'sche Wappen zu sehen ist mit dem für den Fremden unverständlichen Buchstaben

W W W D G Z V L H Z O B V R 1648

(Wilhelm Wirich von Dhaun Graf zu Falkenstein und Limburg Herr zu Oberstein Broich und Reipolzkirchen 1648)

Die letzten Umbauten fanden unter der Gräfin Marie Luise Albertine statt. In unserer Zeit haben manche Teile des alten Schlosses der Anlage des Bahnhofs Broich und der Erbreiterung der Duisburger Straße weichen müssen.

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