Kirche der ehemaligen Zisterzienserinnenabtei Saarn
in Mülheim an der Ruhr

Klosterstraße

das Kloster bei Wikipedia

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Auf unserer Wanderung durch das Ruhrtal werden wir links von den Höhen des Auberges begleitet, während rechts der Blick durch eine fruchtbare Ebene stundenweit durch die Gegend schweifft. Da liegt auf einem niedrigen Hügel an dem Flusse der Ort Saarn, der jetzt nach Mintard eingemeindet ist. Wie so manche Orte an der Ruhr ist auch er aus einer religiösen Stiftung, dem

Kloster Saarn

hervorgegangen. Schon in der ältesten Zeit, jedenfalls vor 1200, besaß die Abtei Werden in Saarn Besitzungen, ebenso das Stift Essen. 1272 verzichtete der Graf Dietrich von Limburg gegen 3 Mark auf die Vogtei des Hofes Ovendorp in Saarn; auch Broich und Berg waren hier begütert. Das Kloster selbst wurde 1214 als Filiale der Zisterziesenserabtei Kamp im Kreise Mörs gegründet und dieser unterstellt, damit der Abt auf "ewige Zeit Visitator desselben und der Seelenführer der Nonnen sei." Die Kirche und den Friedhof weihte der Erzbischof Engelbert aus Köln 1217 unter dem Titel "Aula sanctae Mariae" = Saal der heiligen Maria. Unter dem Namen Maria-Saal ist das Kloster auch im Mittelalter bekannt geworden. Die päpstliche Bestätigung erfolgte durch Honorius III. im Jahre 1223.

Über die Geschichte des Kloster ist nur Weniges überliefert, da die Urkunden sich meist auf dem Kloster zustehende Grundstücke, Renten und Zehnten erstreckten, woraus zu schließen ist, daß dessen Besitzungen ziemlich umfangreich gewesen sind. Außer solchen in der Umgebung bis nach Meiderich hin, hatte es auch Ländereien auf der linken Rheinseite, so auch in Karlesforst bei Neuß, wo bald eine Filiale von Saarn entstand. Unter den Renten sei erwähnt, daß die Nonnen durch ein Privileg des Herzogs Walram von Limburg seit 1266 das Recht besaßen, das zu ihrem Lebensunterhalte nötige Bier bei einem "Grüter" (Brauer) in Duisburg kostenlos zu holen. In Kriegszeiten wurden auch in Saarn viele Ländereien verpfändet oder verkauft.

Das Kloster, das von Kamp aus pastoriert wurde, erlebte eine hohe Blütezeit, undzwischen ihm und dem Mutterkloster herrschten die besten Beziehungen. Die Nonnen entstammten zum Teil dem niederen Adel, teils freien Bürgerfamilien. Die Klausurschwestern fanden ihre Beschäftigung in Gebet, frommer Betrachtung und Bücherabschreiben, und noch heute geben die zierlich geschriebenen Urkunden Zeugnis von dem Fleiße der Nonnen. Insbesondere soll eine Nonne Agnes sich darin ausgezeichnet haben. Die Laienschwestern aber standen dem Haushalt vor und scheuten sich nicht die ausgedehnten Grundstücke mit zu bearbeiten. An der Klosterpforte fanden Arme gern Unterstützung.

Die Zahl der Äbtissinen bis zur Auflösung des Klosters hat dreißig betragen. Die Kleidung der Nonnen bestand in einem weißen Habit mit schwarzem Gürtel und Schleier; die Laienschwestern trugen braune Kleidung. Im 15. Jahrhundert sank das Kloster von seiner Blütezeit herab. Die Klausur wurde nicht mehr gehalten, die gesamte Disziplin hatte sich gelockert, die Gebäulichkeiten zerfielen, und die Fluren verödeten. Da griff der Abt Heinrich vom Mutterkloster Kamp energisch ein. Die Äbtissin wurde abgesetzt und mit ihren Nonnen in klausurfreie Stiftungen verwiesen, das Kloster selbst erhielt eine Äbtissin aus dem Kloster Sterkrade und auch Nonnen aus demselben. Der Abt schenkte ferner der neuen Äbtissin eine größere Summe Geldes zur Instandsetzung der Gebäude. Das war 1476. Während der Reformation traten sechs Nonnen aus, und auch die Äbtissin von Holtrop scheint der lutherischen Lehre zugetan gewesen zu sein. Da war es wieder das Kloster Kamp, welches eingriff. Der Abt Reiner von Kamp setzte die Äbtissin ab, gab strenge Bestimmungen über die Handhabung des Chorgebetes, das Halten der Abstinenz, über das gemeinsame Essen, den Verkehr mit Fremden u.s.w. Doch scheint auch die neue Äbtissin Anna von Deutz protestantisch geworden zu sein; denn bald mußte er auch sie absetzen.

Die im 18. Jahrhundert neu eintretende Blüteperiode des Klosters Saarn war nur von kurzer Dauer. 1729 wurden die neuen großen Wirtschaftsgebäude errichtet. 1795 kam das linke Rheinufer an Frankreich, und die vielen Besitzungen des Klosters in dieser Gegend gingen verloren. Die Schuldenlast stieg, und auch die letzte Äbtissin Agatha von Heinsberg konnte trotz sparsamer Haushaltung nicht die Lasten decken. Als zu Anfang des 19. Jahrhunderts die geistlichen Stifte aufgehoben wurden, hatte Kloster Saarn außer der Äbtissin nur noch "vier Fräulein, die Profession im Kloster getan haben, nebst zwei Gehilfinnen zum Chorhalten." Sie wurden von der französischen Regierung des Herzogtums Berg durch eine Geldsumme abgefunden.

Die Klostergebäude waren nach dem Übergang an den preußischen Staat verschiedenen Zwecken dienstbar. Zunächst wurde hierher 1818 eine Gewehrfabrik verlegt, die anfänglich für Rechnung eines Heinrich Trenelle , dann aber seit 1844 für den Staat arbeitete, bis sie 1862 nach Erfurt kam. Nachdem die Gebäude einige Zeit unbenutzt waren, kaufte die Firma Backhaus das Grundstück und ließ die zugehörigen Waldungen abholzen. 1874 wurde in einem Teil des Klosters eine Tapetenfabrik errichtet. 1905 fiel das alte Kloster Saarn an den Großindustriellen August Thyssen, der es 10 Jahre später der katholischen Pfarrgemeinde verkaufte, welche in demselben ein Fürsorgeheim einrichtete.

Die schöne Klosterkirche, 1895 neu erbaut, ein einschiffiger Bau in romanischem Stile, in den Grundmauern aus dem 13.Jahrhundert stammend, birgt im Innern beachtenswerte Altäre und Chorgestühle. Neben der Kirche liegt unter dem großen Kreuze die letzte Äbtissin begraben. Das Wappen des Klosters Saarn war ein Kreuz mit vier gleichen Armen und abgerundeten Ecken; darüber erhob sich der Abtsstab.

Von Interesse ist noch, daß sich in Saarn von 1765 - 1771 eine Porzellanfabrik der Herren von Broich befand, die auch manche hübsche Stücke fertigstellte, dann aber, weil sie kein "durchsichtiges Porzellan" liefern konnte, einging.

Wie es in den meisten Klosterruinen spukt, so geht es auch in Saarn um. Um Mitternacht schweben die Nonnen singend durch die weiten Gänge der Kirche, um dort der Mette beizuwohnen. Während ein Priester das heilige Opfer feiert, wird die Kirche von einem überirdischen Glanze erhellt, und dem Altare naht eine heilige Nonne, die einst der Welt entfloh, um ihre Unschuld zu retten. Sie kniet nieder und empfängt mit den andern den Segen des Priesters. Dann erhebt sich die fromme Schar, und singend und betend wallen sie durch die Gänge zurück zum Kirchhofe, wo si in den Gräbern verschwinden.

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