Schloss Styrum in Mülheim an der Ruhr

Burgstraße

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Schloß Styrum

aus dem die aufblühende Gemeinde Mülheim-Styrum entstanden ist, liegt an der rechten Ruhrseite unterhalb Broich. In der karolingischen Zeit war hier ein Hofgut, das nach der Abtei Werden Zins zahlte. Es lag im Lande der Chattuarier an der Grenze zu den Sachsen. Das Gut Styrum gelangte dann an die Grafen von Altena, die hier reichen Besitz hatten. Es war eine Asylstätte für Verfolgte. Gleichzeitig gehörte dazu eine Anzahl Unterhöfe, die an den Oberhof Styrum eine Abgabe zahlten und mit ihm das Hofgericht hielten. Graf von Altena vererbte den Hof Styrum seinem zweiten Sohne Friedrich, der sich von Isenberg zubenannte. Es ist bekannt, daß nach dessen Ächtung als Mörder des Erzbischofs Engelbert von Köln, seine Besitzungen der Gegenstand blutiger Kämpfe unter seinen Verwandten wurden. Man einigte sich schließlich 1243, und nun erhielt Dietrich, der älteste Sohn des Isenbergers, außer dem Schlosse Hohenlimburg, das ihm sein Oheim mütterlicherseits erbaut hatte, einen großen Teil des väterlichen Erbes, darunter auch die im Kirchspiel Mülheim gelegenen Besitzungen zurück. Dietrich, der sich des durch Mord befleckten Namens seines Vaters schämte, nannte sich nach dem Namen seiner Mutter fortan von Limburg.

Seine Söhne Johann und Eberhard teilten die Güter und der Jüngere gründete die Linie Limburg-Styrum. Er erbaute 12189 das Schloß Styrum, das nach seinem Tode von seinem Sohne Dietrich I. bewohnt wurde. Seine Nachkommen vergrößerten ständig den Besitz des Hauses, sodaß dieses im Jahre 1616 im Kirchspiel Mülheim 38 große Höfe, 10 Güter und 3 Mühlen sein Eigen nannte. Mit den Nachbarn auf Broich lebten die von Styrum anfänglich im besten Einverständnis, bis die Ausübung des Patronatsrechts an der alten St. Petrikirche in Mülheim einen Streit hervorrief, der sich durch Jahrhunderte hinzog. Derselbe beschäftigte im 16.Jahrhundert, nachdem die geistlichen Gerichte keinen Entscheid fanden, sogar der Papst, welcher 1573 sich für die Grafen von Styrum entschied. Aber der Zank ging weiter, bis endlich 1760 bestimmt wurde, daß die Gemeinde das Patronatsrecht als ein Lehen von Styrum zu empfangen habe.

Neben diesen auf kirchlichem Gebiete liegenden Streitigkeiten hatten beide Familien auch sonst Meinungsverschiedenheiten. Insbesondere suchte der Graf von Broich den Styrumern gegenüber den Herrn zu spielen, was bei den beiden zustehenden Rechten an Wald, Jagd und Fischerei in der Speldorfer Mark oft zu schlimmen Händeln führte. So ließ u. a. 1499 Graf Johann von Broich durch den Pfarrer von der Kanzel herab verbieten, für die von Styrum Holzfuhren zu leisten. Beide Parteien wandten sich schließlich an den Landesherrn, den Herzog von Berg. Wie dieser vermittelt hat ist nicht bekannt.

In der Reformationszeit traten die von Broich zur evangelischen Religion über, während die Styrumer katholisch blieben. Als ein streitbares Geschlecht nahmen die letzteren Teil an den Kriegen des unruhigen 16. und 17. Jahrhunderts. So war Graf Johann in spanischen Diensten und zeichnete sich verschiedentlich durch Tapferkeit aus. Er war auch bei der Erstürmung des Schlosses Broich und warnte dessen Besitzer vor den Nachstellungen der Spanier. Bald aber stand jedoch der Herr von Styrum auf Seiten der Niederländer und tat sich bei der Erstürmung des befestigten Lagers der Spanier in der Velau in Holland 1629 und bei der Belagerung der Stadt Maastricht 1632 hervor.

Wenn kein Krieg und keine Fehde den Grafen in fremden Landen fernhielt, so lebte er zu Hause meist der Jagd. Er hatte deshalb oft Zusammenstöße mit dem Herrn vonn Broich, die schließlich in offenen Feindschaft ausliefen. Doch suchte man auch gelegentlich miteinander auszukommen. 1659 lud Graf Moritz von Styrum den jungen Grafen Alexander von Dhaun-Broich, der erst kürzlich von seinen Studien zu Paris zurückgekehrt war, zum Besuche ein. Er wurde mit der größten Freundlichkeit empfangen und bewirtet. Aber bald geriet man wieder in Zank und Streit, und auf dem Heimwege wurde Karl Alexander, der Erbe von Broich, von Moritz von Styrum erschossen. Der Mörder flüchtete, wurde aber in Paris von Freunden des Ermordeten erkannt und getötet.

Von den übrigen Grafen von Limburg-Styrum ist wenig zu melden. Sie überließen den Besitz der Verwaltung ihres Rentmeisters und lebten meist als echte Kinder der leichtlebigen Zeit des Rokoko in Paris oder Wien. Schloß Styrum, dem im 15. Jahrhundert ein größeres Herrenhaus angebaut worden war und das 1658 einen vollständigen Umbau erfahren hatte, zerfiel. Die großen Ausgaben der Grafen führten sicherlich dahin, daß 1775 Teile von Styrum in den Besitz der Jesuitenmission in Essen gelangten. Als im Jahre 1809 die Linie Limburg-Styrum mit dem Grafen Ernst Maria ausstarb, fiel die Herrschaft durch Testament desselben an die jüngere Schwester seiner Gemahlin Margarete Humbrecht, nicht ohne daß von verwandschaftlicher Seite Erbansprüche erhoben wurden. 1820 ward das Rittergut verkauft. Es erstand der Lehnsdirektor Dr. Marx, in Mülheim,  von dem es dann weiter an den Kaufmann Schönenbeck und von diesem 1890 an den Großindustriellen August Thyssen in Mülheim abgestoßen wurde.

Unter gfroßem Kostenaufwand ließ dieser das Herrenhaus wieder instandsetzen, und heute dient dasselbeeinem Direktor der Thyssenschen Eisnehütten als Wohnung.

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