MAYEN ● KIRCHEN UND PROFANBAUTEN

Rheinische Kunststätten ● Reihe III: Das Maifeld ● Nr. "

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1. Mayen. Stadtwappen 1370.

Die Klemenskirche (Pfarrkirche) wurde schon bald nach der Übertragung des Augustinerklosters von Lonnig nach Mayen an Stelle einer älteren romanischen Kirche begonnen, deren Turm sie in der W.-Fassade bewahrt. Die auf der N.-Seite gelegene ältere Kirche blieb zunächst bestehen, der Neubau vermutlich von zwei Seiten, dem Chor und dem Westbau, gleichzeitig begonnen. Zu Ende des Jahrhunderts eine Weihe durch Konrad v. Altendorp (1387-—1416). In den 80er und 90er Jahren zahlreiche Dotierungen von Altären, 1387 die Marienglocke und die Osannaglocke von Johann Düsterwald gegossen. — Ein neuer Bauabschnitt beginnt Anf. d. 15. Jh. mit dem Ausbau
des südlichen Seitenschiffes, das in den Schlußsteinen die auf alte Malereien zurückgehenden Wappen der Erzbischöfe Otto v. Ziegenhain (1418—30), Wilhelm v. Manderscheid (1427—38; Gegenerzbischof 1430-—36) und Wilhelm v. Wirneburg (geistlich 1435—40) zeigt, nur das im Ostjoch befindliche Mayener Stadtwappen plastisch durchgeführt (Abguß im Museum) — die übrigen Wappen der Schlußsteine wurden bei der Restaurierung. des Inneren i. J. 1911—12 frei ergänzt. — Der in der Einzelgliederung schlichte Bau ist eine querschifflose Hallenkirche aus Basaltbruchstein mit polygonalen Chorschlüssen, Haupt- und nördl. Nebenchörchen in fünf Seiten des Achtecks, der südliche Nebenchor mit der dahinterliegenden Sakristei gerade geschlossen. In den schweren, fast ungegliederten W.-Bau der ältere romanische Nordturm d. 12. Jh. einbezogen. Das Mauerwerk größtenteils verputzt; ohne Verputz die W.-Fassade und die Ostteile bis zum Kaffgesims; die Wände des Langhauses durch spitze, zum Langhaus quer gestellte Giebel über den einzelnen Seitenschiffjochen belebt, die zu dem hohen Mittelschiffdach in reizvollem Gegensatz stehen; die zwei- und dreiteiligen Fenster sind mit Fischblasenmaßwerk geschmückt. In der Mitte des Langhauses unter gewölbten Vorhallen die beiden Haupteingänge, das W.-Portal in seiner heutigen Form aus dem Anf, d. 19. Jh.

Eigenartig wirkt die W.-Fassade mit dem niedrigeren, schweren romanischen Turm — nur das Glockengeschoß von Doppelarkaden durchbrochen und von einem hübschen Rhombendach überdeckt — und dem zum Wahrzeichen der Stadt gewordenen schlankeren Südturm mit dem hohen achteckigen Helm, von Wind und Wetter gedreht und gebogen. (Bild 2.)

 

2. Mayen. Blick auf die Stadt mit schiefem Turm.

Das Innere ist ein harmonischer dreischiffiger Hallenbau von angenehmen Proportionen, dessen einfache Kreuzrippengewölbe auf schlanken Rundpfeilern ruhen. Die Gewölberippen gehen ohne Vermittlung von den Rundsäulen aus, ruhten jedoch ursprünglich ebenso wie in den Seitenschiffen auf Konsolen, die man i. J. 1805 bei einer Veränderung des Inneren — die Säulen erhielten Kapitelle aus Gips — abschlug. Der Grundriß ist regelmäßig, kleinere Unterschiede, wie u. a. die etwas stärkere Breite des südlichen Seitenschiffes (um 0,80 m), sind auf das längere Bestehen des Mittelschiffes der alten romanischen. Vorgängerin der heutigen Kirche zurückzuführen, dessen Breite dem jüngeren Seitenschiff zugrunde liegt. Eine besondere Bedeutung kommt der Mayener Klemenskirche zu als einer der frühesten durchgebildeten Hallenbauten auf linksrheinischem Gebiet, der richtunggebend wird für die Verbreitung der Hallenkirche im südlichen Teil der Rheinlande.

Ausstattung. Von den drei i. J. 1847 noch vorhandenen Altären hat sich keiner erhalten (weitere Altäre schon bei einer Restaurierung i. J. 1805 entfernt); die heutigen neugotischen Altäre aus d. J. 1866. u. 1875. Auch von den zahlreichen Plastiken — 1847 noch 11, 1 steinerne Pieta und 10 Holzfiguren, erwähnt — jetzt nur noch 4 lebensgroße Gestalten der hhl. Matthias, Wendelinus, Joseph und Katharina vorhanden; die qualitätvollen Plastiken des Mayener Bildhauers Alken bildeten mit den drei weiteren Figuren im Museum (Madonna, Severus und Michael) die Patrone der sieben. Zünfte. Die lebhaft bewegten Statuen heute auf großen. Barockkonsolen unter der Westempore und in der Taufkapelle.

3. Mayen. Grundrß der Klemenskirche.

An der Evangelienseite des Chores ein hohes Sakramentshäuschen aus spätgotischer Zeit: Aufbau und Ausstattung aus dem Sechseck entwickelt, der dreiseitige Schrein von Baldachinen und einem Kranz von Maßwerk umgeben, über demselben ein dreigeschossiger, schlanker, bis zum Gewölbe aufsteigender Helm, umgeben von vier Haupt- und drei Nebenfialen; die heutige Bemalung knüpft an die alte Fassung an. — Im Chor ein schlichtes Gestühl von je acht Sitzen, durch Profile und flache Ornamentik geziert (Rokoko).

Die Klemenskirche besitzt noch sechs alte Glocken, die älteste noch romanisch aus d. 12. Jh
die übrigen aus d. 14. u. 16. Jh. .

Kirchenschatz. Eine bemerkenswerte gotische Monstranz, 0,63 m hoch; der runde Zylinder aus Bergkristall, von Strebepfeilern mit hohen Fialen flankiert, der Zylinder bekrönt von einem sechseckigen Baldachin aus gotischen Maßwerkfenstern mit einer Statuette der Mutter Gottes mit dem Kinde. , Auch die übrigen Teile der Monstranz mit figürlichem Schmuck belebt, am Knauf Brustbilder von musizierenden ‚Engeln, zwischen den Strebepfeilern Engel mit hochgeschwungenen Flügeln und die Aposteln Petrus und Paulus; am unteren Teil der Monstranz Stifterwappen, das Falkensteinsche und das Kurtrierer Wappen (Werner v. Falkenstein 1388—1418). Im Kirchenschatz außerdem verschiedene gotische und barocke Kelche, besonders zu erwähnen. der reich gearbeitete Bartholomäuskelch, 16.Jh., ein Ziborium und eine, weitere Monstranz mit reich getriebener Ornamentik, schöne Augsburger Arbeiten d. 4. Jahrzehnts d. 18. Jh.

Veitskapelle. Außerhalb der alten Stadtmauern, am Wege zum Ostbahnhof, inmitten der Anlagen des sog. „alten Friedhofs‘ die kleine einschiffige barocke St.-Veits-Kapelle. An ihrer Stelle befand sich die älteste Mayener Kirche; durch die Ausgrabungsergebnisse d. J. 1919 fand eine alte Tradition ihre Bestätigung. Die heutige Kapelle besteht aus einem schmaleren, i. J. 1718 (Datum im Schlußstein) erbauten Chor und dem ii. J. 1785 errichteten einschiffigen Langhaus; über dem Chorbeginn ein, sechseckiger Dachreiter. Im Inneren der anheimelnden Kapelle ein schöner barocker Altar d. 18. Jh., der alte Marienaltar der Pfarrkirche; das Mittelbild mit seitlich vorschwingenden Säulenpaaren, bekrönt von Segmentgiebeln, im Mittelfeld ein Gemälde der Himmelfahrt Mariens, im oberen Teil des zweistöckigen Altares eine von Volutenranken begleitete Muscheinische, auch der Drehtabernakel mit reich geschnitzten Voluten verziert, die schön geschwungene Mensa mit Rocailleornament geschmückt; zu beiden Seiten des Altares die hh. Helena und Rizza. Im Langhaus die alten, z. T. mit geschnitzten Wangen d. 17.—18. Jh. geschmückten Bänke.

4. Mayen. Die Arche.

 

Hospitalkapelle. An der Stehbachstraße, am Kreuzungspunkt mehrerer Wege, harmonisch in das Straßenbild eingefügt, die i. .J. 1757 erbaute Hospitalkapelle, jetzt Modellkammer des Mayener Bildhauers Prof. Burger; der westliche Chor dreiseitig, die Ostwand durch das rundbogige Eingangsportal gegliedert, über dem geraden Türsturz die Jahreszahl 1757, die aufgehende Wand von einem ovalen Fenster durchbrochen; über dem abgewalmten Ostgiebel ein hübscher durchbrochener sechseckiger Dachreiter mit geschwungener Haube; reizvoll in eine Nische der Ostecke des Baues eingefügt eine kleine Statuette der Mutter Gottes aus d. 18. Jh. Vor der. heutigen Kapelle stieß man i. J. 1935 anläßlich von Straßenarbeiten auf die Fundamente ihrer schon i. 14. Jh. erwähnten Vorgängerin.

An den Ausgängen der Stadt, schon außerhalb der Stadtbefestigung, eine Reihe kleiner Betkapellen, so an der Straße nach Koblenz die Annenkapelle (die ehemals in dieser befindliche Statue der Anna selbdritt im Museum), ein kleiner, etwa 3 x 3 m großer Betraum, i. J. 1783 wohl an Stelle einer älteren Kapelle errichtet. — Eine zweite Betkapelle, etwa 2 x 3 m, mit dreiseitigem Schluß, nahe der Reiffsmühle am Eingang des Nettetales, im rundbogigen Eingang das Erbauungsjahr. 1729, im Inneren der Rest einer Dreifaltigkeitsdarstellung. Recht wirkungsvoll die Reiffsmühle, ursprünglich Ölmühle, in ihren älteren Teilen noch aus d. 17. Jh., die stattlichen Nebengebäude mit dem mächtigen Dachgesims gehören d. 18.Jh. an, das auch das Hauptgebäude veränderte.

5. Mayen. Hof in der Göbelstraße.

Häuser. Neben den kirchlichen Bauten und Wehranlagen hat die durch‘ ihren trutzigen Mauerring geschützte Stadt einen. beachtlichen Teil der alten Wohnstadt bewahrt, die sich in der Hauptsache‚ im Nordwesten zwischen Brücken-, Wittbender und Obertor, Klemenskirche und Markt sowie der Mauer entlang über die Keutelstraße erstreckte. Von mittelalterlichen Bauten haben sich nur wenige erhalten: Am Stehbach die prächtige. Arche (Bild. 4), das Haus der Deutschherren, 1318 durch den Orden von Ritter Hermann v. Mayen erworben, ein hoher, fünfstöckiger Turmbau über fast quadratischem Grundriß mit mächtigem Stufengiebel an der Straßenseite, dem an der Hofseite ein hochgezogener Spitzgiebel und ein reicher Fachwerkgiebel auf schön geschnitzten Konsolen an der Seitenfront entsprechen. In einem 1592 erbauten Anbau die durch einen eigenen Eingang vom Hofe zugängliche Küche mit der noch ursprünglichen Treppe; zwei weitere gotische Häuser d. 15. bis 16. Jh.- auf dem. ehemals dem Deutschen Orden gehörenden Gebiet Stehbachstr. 12 u. 13 und der nahe der Klemenskirche gelegene Rest des i. J. 1326 von Lonnig nach Mayen verlegten Augustinerklosters (Teil des Südflügels,. heute Kloster der Franziskanerinnen); die übrigen Flügel wurden großenteils erst zu Anf. d. 19. Jh. (z. T. 1906) niedergelegt, das schlichte gotische Gebäude von fünf Stockwerken mit hohem Dach (drei Speicher) im Äußeren durch Restaurierungen und vor allem den neuen Anbau in der Wirkung beeinträchtigt. Im Inneren noch in fast allen Räumen alte Decken mit nur wenig in den Raum vorspringenden Balken.

Im Gegensatz zum mittelalterlichen Steinbau sind die Häuser d. 17.—18.Jh. vorwiegend in Fachwerk aufgeführt; besonders zu erwähnen: aus der Zeit um 1600 der Schlotterhof, nahe dem Obertor und der malerische kleine Binnenhof Göhelstr. 26 (Bild 5), beide mit steinernen Treppentürmchen, die im oberen Teil in Fachwerk übergehen (am Schlotterhof nicht mehr erhalten); am Hause Göbelstr. 26 besonders reizvoll ein kleiner, auf drei steinernen Säulen mit Diamantbossen verzierten Sockeln ruhender Fachwerkvorbau; reiche Fachwerkgiebel d. 17. Jh. u. a. Keutelstr. 37 v. J. 1631, die Häuser Brückenstr. 16 usw. aus d. 18.Jh.: Nr. 5, 14, 16, 18, 23, 34; bemerkenswert das mit dem Brückentor zu einer malerischen Gruppe zusammengeschlossene Haus Nr. 2, erbaut 1715; in der Marktstraße Haus Nr. 27, erbaut 1739, mit gedrehten Pfosten und Maske (Bild 7), am Kirchplatz 13. die alte Schule mit Anbau aus d. J. 1787 an Stelle der ehemaligen Michaelskapelle; außerdem in der Göbelstr. 17, 19, 21 usw.; in d. 2. H. d. 18. Jh. herrscht wieder Steinbau vor, verschiedene stattliche Bauten am Markt. und in der Marktstraße; als bedeutendster Bau d. 18. Jh. ist das i. J. 1717 erbaute Rathaus (Bild 8) zu nennen, ein zweigeschossiger Bau von heute neun Achsen, die beiden letzten ein Anbau d. 19. Jh., die Breitseite am Markt, die fünfachsige Front mit dem dem schönen Schloßportal Ravensteyns verwandten Eingangsportal der Marktstraße zugewandt, die Mittelachse risalitartig vorgezogen, über dem Eingang mit dem Stadtwappen ein auf abgetreppten Konsolen weit vorkragender Balkon mit schöner Balusterbrüstung, die Front beherrscht von einem hübschen quadratischen Uhrturm, gedeckt von einer vierseitigen, im oberen Teil von einer achteckigen Laterne bekrönten Haube.

Literatur:
Dr. L. Brink u. Joseph Hilger: Geschichte von Mayen, Mayen 1910;
Zeitschr. d. Rhein. Vereins f. Denkmalpflege, 15..Jg. 1921, Heft 2/3, „Mayen und das Maifeld“‘, mit Aufsätzen von H. Lehner, -G. Reitz, Edm, Renard, Seb. Hürter, Peter Hörter, Fridolin Hörter, Dr. F. Born u. a. m., sowie weitere Aufsätze von Dr. Born u. Fridolin Hörter.

HANNA ADENAUER.

6. Mayen. Museum. Zunftbild der Metzgerzunft.

7. Mayen. Fachwerkhaus Marktstraße.

8. Mayen. Rathaus 1717.

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