MAYEN ● BURG UND STADTBEFESTIGUNG

Rheinische Kunststätten ● Reihe III: Das Maifeld ● Nr. 1

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1. Mayen. Stadtansicht von H. Alken um 1780.

Lage und Geschichte. Anmutig eingebettet zwischen den vulkanischen Erhebungen des Laacher ‚Bezirkes und der fruchtbaren Hochfläche: des Maifeldes liegt die turm- und zinnenbewehrte Stadt Mayen, der Hauptort des seit der jüngeren Steinzeit ununterbrochen besiedelten Mayengaues. Zahlreiche Funde, von denen ein Teil dem Heimatmuseum erhalten blieb (anderes im Provinzialmuseum in Bonn), bezeugen auch für die Stadt selbst diese Besiedlung: Befestigungen und Reste von Wohnbauten der jüngeren Steinzeit auf dem Gebiet des Ostbahnhofes und dem nahegelegenen Katzenberg, reiche Funde aus den Brandgräbern der Spätbronzezeit und der Hallstattkultur, Gräberfelder der La-Tene-Zeit im Mayener Stadtwald geben Kunde von seiner nun fast 4000jährigen Geschichte. Eine römische Siedlung umfaßte im wesentlichen den Raum links der Nette zwischen. Eichstraße und Römerstraße der Koblenzer Straße entlang, in spätrömischer Zeit befestigt durch Warten auf dem Katzenberg, Hochsimmer und vermutlich auch auf weiteren Höhen der Stadtumgebung, während Grabfunde und Reste eines älteren. Kultbaues an der St.-Veits-Kapelle — nach der. Überlieferung an dieser Stelle die älteste Pfarrkirche — sowie die Spuren einer ehemals blühenden Töpferei nahe der Genovevaburg die Ausdehnung der fränkischen Siedlung ahnen lassen. Schon {rüh erkannten die Trierer Erzbischöfe die Bedeutung dieses östlichsten. Stützpunktes ihres Gebietes. 1280 wird die Genovevaburg durch Heinrich v. Vinstingen begründet, 1291. Mayen auf Bitten Erzbischof Boemunds I. von Rudolf v. Habsburg zur Stadt erhoben und gleichzeitig mit einer Befestigung umgeben. Unter den von Erzbischof Boemund durch Mauern und Türme verstärkten Städten wird auch Mayen genannt, und wenig später, anläßlich der Verlegung des Lonniger Augustinerklosters nach dort, der „kürzlich errichteten Mauern‘ Erwähnung getan; außerdem hören wir von einem Mauerwall, mit welchem Erzbischof Balduin (1307—54), der Erbauer so vieler Stadtmauern und: Burgen, seine Stadt Mayen befestigte. Außer dem Erzbischof hatten vor allem im Mittelalter zahlreiche Klöster und Standesherren in Mayen Hof und Besitz. Die Abtei Laach, der Deutsche Ritter-Orden, Kloster Marienstatt bei Hachenburg, das Stift St. Florin in Koblenz und das Mayener Augustiner-Stift, die Geschlechter der Virneburg, v. d. Leyen, Eltz-Rübenach, de Meina, Mülenark u. a. m. waren in der Stadt begütert, und noch zu Ende d. 18. Jh. werden Höfe im Besitz der verschiedensten dieser Geschlechter genannt. Wechselvoll sind die Geschicke der bis z. J. 1794 kurtrierischen Stadt, oftmals einbezogen in die zahlreichen Fehden ihrer Bischöfe und der umliegenden Adelsgeschlechter, aber erst i. 17.Jh. durch den Dreißigjährigen Krieg und den Einfall der Franzosen ind. 2. H. d. Jh. in Verbindung mit den großen europäischen Konflikten gebracht.
1689 wird Mayen von den Truppen des Marquis de Boufflers eingenommen und Burg und Stadt großenteils zerstört. Schon zu Anf. d. 18. Jh. beginnt man jedoch, die Schäden an der Stadtmauer wieder auszubessern. Erzbischof Hugo v. Orsbeck (1676—1714) läßt die Burg wieder aufbauen, verschönern und erweitern, das Rathaus wird neu errichtet und die Stadt allmählich wieder ruhigeren Zeiten entgegengeführt.

2. Mayen. Genovevaburg. Grudriß vom Jahr 1690.

Genovevaburg. am SO-Ende der Stadt, auf steil nach Süden abfallendem Schieferfelsen, ist der älteste Teil der Wehranlage (Privatbesitz von Dipl.-Ing. Scholten), gegr. 1280 durch Heinrich v. Vinstingen, schloßartig erweitert durch Hugo v. Orsbeck zu Anf. d. 18. Jh. und mannigfach i. 19. Jh. verändert; trotz der vielfachen Veränderungen ist die ursprüngliche Wehranlage noch unschwer zu erkennen. Die i. J. 1280 begonnene Burg (Bild 2) bildete, wie viele Burgen ihrer Zeit, ein unregelmäßiges Viereck, an den Ecken durch starke Rund- bzw. Dreivierteltürme gesichert. An der SO.-Ecke der Bergfried (Bild 3, 4, 6) — Goloturm genannt —, der mächtige Rundturm 25 m hoch und 10 m im Durchmesser, der, nahe der Umfassungsmauer gelegen, den an dieser Stelle befindlichen Zugang über den Graben (Fallbrücke) beschützte. Anschließend an den Bergfried verlaufen in gewinkelter Linie die ohen, bis, zum Wehrgang geschlossenen Verbindungsmauern zum O- und W-Turm, in Höhe des Wehrganges ehemals durch Schießscharten durchbrochen.

3. Mayen. Genovevaburg Bergfried und Nordwand.

Zwischen O.- und N.-Turm der der Stadt zugewandte Wohnbau (Amtshaus) (das heutige Haus von den: Grundmauern an erneuert), der einzige zur Außenseite hin von Fenstern durchbrochene Teil der Burg; die anschließende, geradlinig geführte NW-Wand ist wiederum eine hohe Wehrmauer, die allein der Verteidigung diente. Der Grundriß vom J. 1699 (Bild 2) zeigt an! der NO.-Ecke ein Gebäude, dessen. Bestimmung uns nicht mehr bekannt ist; wahrscheinlich lag hier die im 14. Jh. erwähnte Marienkapelle. — Die gesamte Burganlage wird von einem zweiten, mit der Stadtbefestigung in Verbindung stehenden Mauerzug schützend umgeben, die in der Nähe des W.-Turmes nochmals durch eine vorgeschobene Bastion verstärkt wird. Dem Charakter als Verteidigungsbau entsprechend, sind die Mauern schmucklos und bis in Höhe des Wehrganges geschlossen durchgeführt. Den einzigen Schmuck bildeten die heute nicht mehr vorhandenen Zinnen der Türme. — Die Technik des großenteils auf gewachsenem Fels aufsetzenden Mauerwerks stimmt im wesentlichen mit der der Stadtmauer überein: mächtige Basaltlavasteine wechseln mit dünnen Schichten aus Tonschiefer, in den unteren Schichten der Tonschiefer vorherrschend, in den oberen mehr Basalt und regelmäßigere Schichtung des Mauerwerks. Im Mörtel des Goloturmes zahlreiche Tonscherben d. 9. u. 10. Jh. — im ‚oberen Teil seltener —, die anscheinend auf eine ältere Anlage an dieser Stelle hinweisen. (In der Nähe der Genovevaburg befand. sich eine fränkische Töpferei.).

4. Mayen. Genovevaburg und Stadtmauer.

Im Inneren des Goloturmes ein 14,50 m hohes Verlies mit etwa 3,60 m starken Mauern; in dem darüber befindlichen Geschoß ursprünglich der Eingang zum Turm, eine Nische mit Treppenaufgang und zwei enge Gefängniszellen mit verschiedenen Gefangeneninschriften. des 17. Jh.; im 3. Geschoß vier Nischen, von denen eine den Kamin, eine andere den Treppenaufgang enthielt; das 4. u.. 5. Geschoß heute Vorratsraum, das Obergeschoß zerstört. Der Zugang zum Bergfried erfolgte vom Wehrgang aus. Der Innenhof hat durch die Umbauten des 19. Jh. seinen ursprünglichen Charakter völlig verloren. — Die mittelalterliche Anlage blieb bis zum J. 1689 unversehrt, als die Burg durch die Truppen des Marquis de Boufflers eingeäschert wurde. Erst zu Beginn des 18. Jh. ließ Erzbischof Hugo v. Orsbeck sie instand setzen und durch seinen Hofbaumeister Joh. Phil. Ravensteyn erweitern: 1707—13 Wiedererrichtung. des Amtshauses in Form eines zweistöckigen Barockgebäudes und Ausbau des unteren Burghofes, der von einer neuen Mauer umfangen wurde. Zur Erlangung des Raumes für die weitläufige Unterburg wurde das Gelände an der O.-Seite abgetragen und die Verbindung zwischen Unter- und Oberburg durch die breite, heute noch erhaltene Treppe hergestellt. Im Gebiet der Unterburg, östlich vom Bergfried, das zweistöckige Hauptgebäude, im Riß Ravensteyns als Marstall bezeichnet, verschiedentlich auch Zehnthaus genannt (heute Museum d. Gesch.- u. Altertumsvereins), an welches sich weitere Nebengebäude und ein malerisches: Binnenhöfchen zwischen Bergfried und Torgebäude schlossen (dieser Teil nach einem großen Brande der Burg i. J. 1902 erneuert); ebenfalls aus dieser Zeit die 11 m hohe Brücke über den Graben (Bild 4): Das i. J. 1709 begonnene Marstallgebäude hatte 19 gedrehte Säulen und 25 Dachfenster, von den ersteren nach dem großen Brande nur noch 6 erhalten, die an den verschiedensten Stellen der Burg Verwendung fanden: mehrere Säulen im Hauptsaal des Museums, eine weitere als Stütze einer Holzgalerie an der W.-Seite des oberen Burghofes. Am Hauptzugang, des nunmehr gänzlich zur Stadt orentierten Schloßbaues ein stattliches Portal mit dem Prunkwappen des Erbauers Hugo v. Orsbeck in fein behauenen Basaltquadern aufgeführt, der im Halbrund geschlossene Zugang von vorgelegten Pilastern flankiert und über einem Architrav durch das zwischen zwei schön geschwungenen Segmentgiebeln eingefügte Prunkwappen bekrönt; eine eigenhändige Zeichnung Ravensteyns zu diesem 1710 ausgeführten Portal im Staatsarchiv in Koblenz.. Zwischen Burgfrieden und Bäckerstr. lag der ehemalige, ebenfalls in der Barockzeit angelegte Schloßgarten, der in einem kleineren Teil als Ziergarten mit Fischteich und Rrunnen gestaltet war. 1935 wurden auf dem alten Schulhof das 6 qm umfassende Brunnenbecken, in der Achse-Aesselben in der Burgfriedenstraße die Reste des 3,15 m tiefen Tordurchganges und an der entgegengesetzten Seite das in einem Haus der Stehbachstraße heute vermauerte Gartenhäuschen aufgefunden. Das Schloß blieb bis 1804 in dieser Form erhalten und wurde dann von den Franzosen für 8100 Frs. an mehrere Mayener Bürger verkauft. In der Folgezeit wurde das Amtshaus zunächst zur Gewinnung für Baumaterial bis auf die Kellergewölbe niedergelegt ; erst mit dem Aufkommen der Romantik Wiederaufbau der Burg, die durch ihre verschiedenen Besitzer im Laufe des 19. Jh. mehrfach grundlegend verändert wurde. Erst seit dieser Zeit wird auch der Name der Genoveva zunächst 1828 mit dem Goloturm und seit 1864 auch mit der ganzen Burg in Verbindung gebracht. Eine letzte Restaurierung durch den heutigen Besitzer unter Leitung von E. Stahl (1918) suchte durch die Wiederherstellung ruhiger Linien und Flächen dem ursprünglichen Charakter des Bauwerkes wieder näherzukommen.

5. Mayen. Museum.

Das Museum, seit 1920 im Marstallgebäude der Burg, dient in erster Linie: der Sammlung heimischer Schätze, umfaßt aber auch Werke aus anderen Teilen der Eifel: im. Erdgeschoß eine umfangreiche Sammlung aus den reichen Grabungsergebnissen der vorgeschichtlichen Zeit, im „1. Stock’ Plastiken. des 13.—18. Jh., besonders zu erwähnen eine interessante romanische Mutter Gottes aus Mechernich, eine ganz vortreffliche Madonna mit dem Kinde aus’der alten Hospitalkapelle aus der Zeit um 1320 (Bild 5), die fein abgewogene Gruppe der Anna selbdritt (um 1480) aus der Annakapelle an der Koblenzer Straße sowie eine Reihe durch. die Innigkeit des Ausdrucks überzeugende ländliche Plastiken des Maifeldes; aus der Barockzeit u. a. eine schön durchgearbeitete Himmelfahrtsfigur Christi und die lebensgroßen Figuren von Alken, die mit den heute noch in der Klemenskirche befindlichen Plastiken die Patrone der sieben Zünfte darstellten; unter diesen besonders die Figur der Immakulata unter dem Aufgangsbogen zur Oberburg zu erwähnen; außerdem eine Reihe von Entwürfen von Michael Alken sowie Skizzen von H. Alken. — Außer den Plastiken im 2. Geschoß eine reichhaltige heimatkundliche Sammlung: Trachten, Taufmützchen, gestickte Häubchen für junge Mädchen, Ohrreifen, Frauenhauben mit Bandschleifen in Gold und farbig gestickt, Kopftücher, Jacken usw. ; eine Sammlung von gestickten Hausaltärchen, Bildern, Amuletten, Kreuzen und Reliquiaren und bunten. Heiligenbildchen d. 18. Jh. Im Vorraum ein Kamin aus dem alten. Kloster mit dem Wappen des Priors Johannes Baum, (1562)... — Im Obergeschoß Wohnräume des Mayener‘ Landes, die anschaulich den Fleiß und die Kultur der dortigen Gegend bezeugen: Bauernstube, Wohnstube, Küche, Schlafzimmer usw., sowie eine Reihe für Mayen und das Maifeld charakteristische Werkstätten, u. a.: Schusterwerkstatt, Nagelschmiede, Plüschweberwerkstatt, Strumpfweberei (Strickmaschine und älteste Nähmaschine Deutschlands, eine Nachbildung der letzteren im „Deutschen Museum" zu München), außerdem seit 1934 eine Blaufärberstube.

Der Stadtplan des Artillerieoffiziers Josef Kirn vom J. 1788 und die Skizzen von H. Alken zeigen die noch zu Anf. d. 19. Jh. fast unversehrt erhaltene Stadtmauer, die kreisförmig mit 4 stattlichen Toren und 16 Türmen die mittelalterliche Stadt umzog. Von der beherrschend gelegenen Genovevaburg nahm sie ihren Ausgang, folgte zu‚nächst dem tief einschneidenden Graben nahe der Burg, lief dann über den Viehmarkt zum Neutor (abgebrochen Anf. 19. Jh.) und von dort bis zur Nette. Hier schützte der mächtige Vogelsturm die Mauern und den Eingang des Mühlengrabens; von dort bis über das Brückentor hinaus folgte die Stadtbefestigung dem Laufe der Nette und bog nunmehr beim. Mühlenturm —- hier tritt der Mühlengraben wieder heraus — vom Flusse ab und kehrte in weitem Bogen über das Wittbender und Obertor zu ihrem Ausgangspunkt der Burg zurück.

6. Mayen. Stadtmauer am Pferdemarkt und der Genovevaburg.

Die Haupttore, vier, ursprünglich drei, ungefähr nach den Himmelsrichtungen orientiert, vermittelten den verschiedenen großen Verkehrsstraßen den Zugang zur Stadt. Mehrere von Andernach und dem Rheintal kommende Hauptverkehrsstraßen trafen vor dem Brückentor zusammen und fanden in  westlicher Richtung beim Obertor den Ausgang zur Eifel. In NS.-Richtung öffnete das Wittbender Tor den Zugang zum oberen Nettetal, während das jüngste der Tore, das Neutor, den Zugang zum Maifeld bot. Sämtliche Tore waren durch Vorburgen (vgl. Zülpich, Euskirchen, Xanten) verstärkt (vgl. die Herrschaftskarte von Bürresheim vom J. 1711 und die Ansichten von H. Alken aus d. J. 1779 u. 80). Die Fundamente der ehemaligen Vorburg des Wittbender Tores wurden 1935 anläßlich von Straßenarbeiten gefunden. Außer den Toren — abgesehen vom Neutor — haben sich beträchtliche Teile der Stadtmauern erhalten: u.a. am Pferdemarkt (Bild 6), lange Züge an der oberen und unteren Ringstraße und am Wasserpförtchen. |

Technik der Mauer. Meist Basaltmauerwerk mit dünnen Schichten aus Tonschiefer; Vollmauerwerk nur im feuchten Gebiet der Netteniederung, so an der Ostseite der Stadt zwischen Vogelsturm und Brückentor und von diesem bis 50 m über den Mühlenturm hinaus; das Vollmauerwerk erreicht die Höhe von 6 m; über diesem setzten Entlastungsbögen in Tiefe von 0,80 m für den Wehrgang an; die übrige Mauer, etwa drei Viertel der Gesamtlänge, zeigt große, auf dem Boden ansetzende Bögen bis zum Wehrgang. Die Mauern selbst waren ihrerseits wiederum durch einen 15—20 m breiten Wallgraben gesichert; an seiner Stelle heute die Ringstraße.

Die Stadtmauer ist nicht einheitlich, sondern gehört im wesentlichen zwei Bauperioden an, zeitlich jedoch nur schwer festzulegen, da jegliche Urkunden fehlen. Zu den ältesten, heute noch erhaltenen Teilen gehören die Untermauern an der Nette und’ die anschließende Strecke zwischen Mühlenturm und Obertor, außerdem ein kleiner Halbturm mit Erker. an der Ringstraße und vermutlich auch der nicht mit der an die Burg anschließenden Mauer in. Verband stehende abschließende Halbturm am Pferdemarkt. Das Mauerwerk dieser ältesten Teile ist bis in Höhe von 4—5 m glatt unter‘ hauptsächlicher Verwendung von Säulenbasalt, etwa 2,5 m stark; im 15.Jh. wurde diese Mauer durch Bögen mit Wehrgang und Zinnenkranz auf die doppelte Höhe gebracht (vgl. auch die Befestigung von Oberwesel). Aus spätgotischer Zeit die Mauerteile zwischen Obertor und Mühlenturm, hier die Mauer nur 0,80 m stark, der Wehrgang von hohen gestelzten Arkaden getragen. In diesem Teil eine Reihe Flickstellen des 17. Jh..

7. Mayen. Wittbender Tor

8. Mayen. Obertor.

Die um die Wende d. 15. z. 16. Jh. entstandenen Tore zeigen — ausgenommen das Brückentor — im Prinzip die. gleiche Anordnung: massige, quadratische Tortürme von vier Geschossen, das oberste über einem Rundbogenfries aufgesetzt und von auf Rund- bzw. Spitzbogenkonsolen vorgekragten, polygonalen ‚Ecktürmchen begleitet, die das hohe Dach (wiederhergestellt 1912) überragen. Die breite Tordurchfahrt rundbogig geöffnet und am Ansatz des Bogens. durch einen Rundstab. betont (die Tore konnten durch Fallgatter verschlossen werden). Die Außenwand der Tore von sechs unregelmäßig verteilten Fenstern durchbrochen, in der Mitte des 2. Geschosses je ein Erker, von welchem sich jedoch nur die Konsolen erhalten haben (die Öffnung am Obertor vermauert). Das Wittbender Tor (Bild 7) 1927. im Innern gänzlich verändert und zu einer Jugendherberge umgebaut; im Obertor die alte Aufteilung jedoch noch zu erkennen: im Untergeschoß der Durchgang (Ansatz eines Tonnengewölbes), im 2. Geschoß der Ansatz eines Kamines erkennbar; eine auf der linken Seite der Durchfahrt gelegene Wendeltreppe vermittelte den Aufgang zu den oberen Geschossen, zwei weitere Eingänge seitlich im 1. Obergeschoß, das von dem an der Stadtseite auf einer hohen: Steinarkade herumgeführten Wehrgang zugänglich war. — Das Brückentor im Westen der Stadt, die Flußniederung beherrschend, niedriger und breit gelagert mit starker Betonung der Horizontalen (vgl. das Tor des nahe Mayen gelegenen Geisbüschhofes), über dem abschließenden Sims des Durchganges ein von zwei Fenstern durchbrochenes Obergeschoß mit dem. Stadtwappen über der Tordurchfahrt, darüber über einem Rundbogenfries ein halbhohes, von vier Fenstern durchbrochenes Obergeschoß mit hoher geschweifter Haube; an der Stadtseite, rechts mit dem Tore verbunden, ein polygonaler Treppenturm;, im Türsturz der zierlichen Eingangspforte die Jahreszahl 1599, die jedoch einer späteren Veränderung angehört. Mit dem schlanken Treppenturm und dem seitlich anschließenden reichen Fachwerkbau gehört das Brückentor zu den malerischsten Punkten der Stadt. — Die mit dem Tore verbundene Brücke überschreitet in zwei Bogen die Nette, auf dem breiten Mittelpfeiler nach der Skizze von H. Alken eine Kapellennische, dieser gegenüber eine Konsole mit einer Heiligenstatue (vermutlich hier ehemals der heute im Heimatmuseum befindliche hl. Nepomuk von Alken). -— Von den zahlreichen Türmen der Stadtbefestigung haben sich sieben ganz oder teilweise erhalten; die Bauart der Wehrtürme ist unterschiedlich, z. T. rund oder halbrund, einige vorgekragt, andere, wie der Mühlen- und der Vogelsturm, vom Boden aufgeführt und durch ein auf einem Rundbogenfries aufsetzendes Obergeschoß mit polygonalem Helm bekrönt.

Literatur s. Heft „Mayen. Kirchen und Profanbauten“.

HANNA ADENAUER.
 

9. Mayen. Stadtplan nach einer Beschreibung vom Jahre 1788.

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