BERNKASTEL - STADT UND SCHLOSS

Rheinische Kunststätten ● Reihe VI: Die Mosel und die Saar ● Nr. 3

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reid vom Jahre 1660, das wahrscheinlich an Stelle der alten kurfürstlichen Münze gebaut ist und dessen zur Kirche gewandter rückseitiger Giebel die alten Haussprüche zeigt. In der Alten Römerstraße nebeneinander das Haus des Schöffen und .Metzgers Nikolaus Bohn und sein Nachbarhaus mit ihren geschweiften Giebeln vom Jahre 1656, wie sie für Bernkastel charakteristisch sind. Diese Häuser bergen meist auch innen noch feingeschnitzte Türen, Treppen oder Alkovenumkleidungen, zeigen freilich auch die enge Bebauung einer alten Stadt. In den Gassen ringsum finden sich noch manche solche Meisterstücke alten Wohnhausbaues. Wie neugierig blickt in weicher Rundung der Erker neben der Kallenfelsstraße die Hauptstraße herunter, wie breit und behäbig, wenn auch etwas schief von der Last der Jahre, baut sich das Doppelhaus in der Burgstraße vom Jahre 1663 auf! Wie schmuck sind die Haustüren, die Oberlichtgitter, der wappengeschmückte Torbogen des Jaqueminshofes der Familie von Nalbach! Und doch sind, wie ältere Bilder lehren, zahlreiche gleich schöne Hausgruppen bereits modischem Unverstand, dem Zahn der Zeit oder den großen Brandstiftungen vom Jahre 1857 zum Opfer gefallen. Auch ein paar Massivgiebel älterer Bauart fallen dazwischen dem aufmerksamen Auge auf, die Giebel des Himmeroder- und Clausenerhofes mit ihren spitzbogigen Steinfenstern; das letztgenannte Absteigehaus des als Wallfahrtsort beliebten Klosters umfaßt eine ganze Häusergruppe, in der ein tiefer Keller, eine alte Säule mit schwerem Deckenbalken, eine gotische Wandnische noch von alter Zeit erzählen.

Kellnerei. Der Kurfürst und seine Amtsverwaltung besaßen in der Stadt mehrere stattliche Gebäude: von der alten Kellnerei an der Mosel freilich, in der Kaiser Maximilian I. 1512 auf der Fahrt zum Reichstag in Trier abstieg. ist nur eine schöne Tür mit den Wappen des Kurfürsten und der Stadt vom Jahre 1579 an der Rückseite übriggeblieben; der Neubau Astor hat wenigstens im großen und ganzen die, Form des alten Hauses bewahrt. Von dem kurfürstlichen „Neuen Bau an der Mandat“ findet sich noch ein Kaminstein im Hof des Oberhoffschen Anwesens. Es steht aber noch zwischen Karlstraße und Mosel der stolze Bau der neuen Kellnerei aus den Jahren 1656/61, einer der schönsten Profanbauten des Moseltales aus einer an derartiger architektonischer Gestaltungskraft armen Zeit und deshalb kunstgeschichtlich wichtig, bestimmend für das Stadtbild, mit hohen, massiv überwölbten Räumen (Bild 6).

Kloster. Über die Häuser erhob sich das alte, 1655; gebaute Kapuzinerlloster, das mit Missionswerk und Lateinschule viel für die geistige Kultur des Weinorts ausrichtete. Leider ist es einige Jahrzehnte nach seiner Aufhebung der Brandstiftung zum Opfer gefallen; ein neues Klösterchen, ein neues Pfarrhaus sind an seine Stelle getreten. Nur der Garten baut sich noch in alten Terrassen auf und enthält auf der obersten eine steinerne Kanzel, die Predigten inmitten einer herrlichen aussichtsreichen Landschaft diente.

Kreuze und Kapellen. Vom frommen Geist Bernkastels zeugen nicht allein die Schätze der Pfarrkirche, der ein besonderes Kunstheftchen gewidmet ist, nicht allein dieses Kloster, sondern zahlreiche Reliefs mit Heiligendarstellungen an Haus- und Weinbergmauern, Wegekreuze und Wegekapellen. Von den Kreuzen ist das interessanteste das Doppelkreuz vom Jahre 1751 zu Füßen des Klosterberges, an dem hier der leidende, dort der triumphierende Christus hängt, Während den Kreuzschaft die kniende Marin Magdalena umklammert ein ausdrucksreiches Werk an einer Stelle, wie sie für eine Platzwirkung nicht günstiger gedacht werden kann.

7. Ratbecher aus dem Jahr 1636

8. Ratbecher aus dem Jahr 1661

9. Ratbecher aus dem Jahr 1661

10. Abgebrochene Häuser am Markt, südwestliche Ecke, an der Einmündung der Kaiserstraße

11. Heiliggeisthospital mit dem abgebrochenen Heiliggeisttor.

Hier zieht sich weiter ins Tal die „Vorstadt“, die im 16. Jahrhundert in die Stadt einbezogen wurde und am äußeren Ende mit dem jetzt beseitigten Heiliggeisttor schloß. Dieses lag neben der erhaltenen Kapelle des alten Heiliggeisthospitals, auch einer frommen Stiftung Bernkasteler Bürgersinnes (Bild 11). Davor erhebt sieh in Terrassen der schöne Friedhof, auf dem eine Kalvarienberggruppe vom Jahre 1588 bäuerliche Bildnerkunst und anatomisches Studium zu vereinigen sucht. Und hier führen die Wege dann weiter in die „Bernkasteler Schweiz”, ins Tiefenbachtal, und auf den ,.Hochwald“.

Von den Wegekapellen außerhalb des Städtchens sind als stimmungsvolle Denkmäler die auf dem Burgberge mit einer Stiftungstafel vorn Jahre 1615, die Josefskapelle und die Obere Kapelle im Weinberg nach Bernkastel zu mit einem ausdrucksvollen Bilde des Schmerzensmannes vom Jahre 1654 und die Mariahilfkapelle im Tiefenbachtal zu nennen.

Ratssilber. (Bild 7 – 9.) Den Eindruck bürgerlichen `Wohlstandes und Gemeinsinnes, den das alles erweckt, vervollständigen am besten die drei Ratsbecher, die das Rathaus bewahrt, köstliche Goldschmiedewerke des 17. Jahrhunderts, einer aus Kölner, einer aus Nürnberger Werkstatt. Sie sind gezielt mit Inschriften, Wappen und Hausmarken der Schöffen, Ratsherren und kurfíürstlichen Beamten ihrer Zeit: es sind dieselben Namen, die wir an Häusern und Altarstiftungen hier und in der Umgehung kennenlernen, dieselben Namen, denen die alten Kirchenbücher des Stadtarchivs lobende Erwähnungen schenken. So werden diese Herren und Bürger und mit ihnen eine Generation vor uns lebendig, von der man fast sagen kann, daß sie die uns jetzt so fesselnde Gestalt des Städtchens geschaffen haben. Und dieses blühende Gemeinwesen, das sie uns repräsentieren, ist doch das aus einer Zeit größter Kriegswirrnis, wovon Bernkastel sein redliches Teil abbekam, das Zeitalter nach Dreißigjährigem Krieg, Pestjahren und Mißwachs. „Ich bin das eintzig Trinkgesehirr, welchs im Bayrschen Haubtstabsquartier zur Gedechtnus hinderhalten hat Scultheiß und Scheffen in der Stadt“, steht auf dem ältesten der Ratsbecher. Ist´s nicht erstaunlich, festzustellen, daß die, stolzesten Hausbauten aus diesen Jahren stammen? Sind sie nicht ein Gegenbeweis zu den traurigen Schilderungen deutscher Armut, deutschen Tiefstandes nach dem großen Kriege, mindestens für diese Landschaft, die sich offenbar dank ihrer Lage, ihrer Naturschätze, vielleicht auch einer guten Verwaltnng schnell erholte? Jedenfalls sind aber solche Kulturdokumente wertvolle Denkmäler des Aufbauwillens und der Aufbaukraft, die im Moselvolke lebten, wohlgeeignet, uns auch mit Vertrauen auf die Zukunft zu erfüllen.

Literatur: Festschr. z. 600Jähr. Feier der Stadtrechte Bernkastels, 1891. N, Thiel. Der Kreis Bernkastel, 1912. - F. Lucas, Bernkastel-Cues. Ein volkstümliches Heimatbuch.1923. - E. Schaus, Die Stadtrechtsverleihungen ... im Jahre 1332: Trierer Zeitschrift 1931. - Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Kreis Bernkastel, bearbeitet von H. Vogts 1935. Diesem Werk sind die Abbildungen entnommen.

HANS VOGTS

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