CUES - DIE BIBLIOTHEK DES HOSPITALS

Rheinische Kunststätten ● Reihe VI: Die Mosel und die Saar ● Nr. 13

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1. Cues Bibliothek

Der Bau der Bibliothek: Der größte und persönlichste Schatz, den Kardinal Nikolaus Krif'tz von Cues seiner Stiftung, dem Hospital S. Nikolaus in seinem Heimatdorf, mitgab, ist seine Bücherei mit ihren Kunstschätzen. Schon der wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Hospital, also um 1460 entstandene Raum dieser Bibliothek (Bild 1) ist nicht nur von großer baulicher Schönheit, eine Wiederholung des quadratischen Grundrisses der Kapelle mit Mittelsäule und vier Gewölbejochen, deren Schlußsteine mit den Wappen des Kardinals und des damaligen trierischen Erzbischofs Johann von Baden und den Bildern eines Bischofs (S. Brictius ?) und S. Michaels, der Stadtpatrone von Cues und Bernkastel, geschmückt sind, sondern auch durch seine Ausstattung ein reiches farbiges Bild.

2. Initiale aus der Vulgata aus dem Kloster Springiersbach (Handschrift 8, 12. Jahrhundert).

Mittelalterliche Bibliotheksräume sind selten genug; ganz in der Nähe, im Kloster Eberhardsklausen, befindet sich freilich eine völlige Nachbildung dieses Raumes von Cues - in Maßen, Grundriß, Gewölbe, Lage über der Sakristei und neben dem Chor der Kirche entsprechen sich die beiden Bauten genau (s. Heft „Eberhardsklausen“). Die um 1491 geschaffene Bibliothek von Eberhardsklausen hat ihre alte Ausmalung bewahrt, entbehrt aber der alten Einrichtung und der einstigen Bücherschätze. Auch in Cues ist die Einrichtung nicht: mehr die mittelalterliche; die Bücherschränke ringsum werden der Zeit des Rektors Schoenes entstammen, der um 1750 mit dem übrigen Hospital auch seine Bücherei instandgesetzt hat, der geschweifte Altar zwischen den .Maßwerkfenstern, dessen feine Linienführung ebenso reizvoll ist wie seine alte farbige Fassung, wurde 1732 geschaffen und geweiht. Aber doch ist hier durch den Inhalt der Geistc des Stifters wunderbar lebendig geblieben. So geht auch wohl unser erster Blick in diesen Raum durch das Fensterchen hinunter in die benachbarte Kapelle, wo unter der Messingplatte mit seinem Bildnis vom Jahre 1488 das Herz des großen Mannes ruht (Bild 4). Der Rektor Peter von Erkelenz, der diese Messingplatte bestellte, hat im Auftrage des Kardinals verschiedene Handschriften der Bücherei geschrieben (s. Heft „Cues Nikolaus-Spital“.

3. Ehemaliger Schlussstein aus der Sakristei mit dem Wappen des Bistums Brixen

Kirchliche und andere Geräte. Nikolaus von Cues hat aber hier nicht nur seine Schriften hinterlassen, sondern auch seine kirchlichen Geräte und mehrere persönliche Erinnerungsstücke, denen spätere Insassen des Hospitals Gaben angereiht haben. Wir finden da einen vermutlich rheinischen und einen reicheren vielleicht italienischen oder französischen Kelch und ein Ziborium von edler Form und Zeichnung aus des Kardinals Besitz (Bild 8).

4. Messingplatte mit dem Bildnis des Kardinals in der Kapelle

Dieses in Turmform, eine klassische Leistung gotischer Goldschmiedekunst, ist zwei Monstranzen verwandt, die vielleicht aus dem Besitz des Hospitals stammen, der in der Pfarrkirche von Cues und der in Haag oben im Hochwald, die der Generalvikar Martini, ein früherer Rektor des Hospitals, dorthin schenkte. Wir finden weiter in der Bibliothek die Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1458 und andere Urkunden aus des Kardinals Zeit, zum Teil mit seinem persönlichen Wachssiegel, das die Fesselung des h. Petrus, zur Darstellung des Titels seiner römischen Kurienkirche S Pietro in vincoli, und darunter sein eigenes Bildnis und sein Familienwappen mit dem Krebs bringt (Bild 6), und den Siegelstempel des Hospitals mit demselben Wappentier und dem Bilde des h. Nikolaus (Bild 13). Ja, der Kardinal hat uns hier sein Reisebesteck, zwei schöne Messer in lederner, mit Arabesken verzierter Tasche hinterlassen; daneben liegen andere Messer, teilweise von schöner Form. mit Tiergestalten oder tauschierten Bildern auf den handlichen Griffen aus Elfenbein, Horn, Silber und Messing, mehrere italienischer Herkunft. Auf einem späteren Messer die Inschrift: „Achte mich nicht gering, ich bin eine gute Kling“. Das Hospital bewahrt auch zwei spätmittelalterliche Meßgewänder mit figurengeschmückten gestickten Stäben, den verbreiteten Kölner Borten, deren eines der Überlieferung gemäß aus dem Besitz des Kirchenfürsten ist.

Astronomische Instrumente. Hier stehen weiter, Zeugen seiner vielseitigen Interessen und seiner wissenschaftlichen Arbeit, seine mathematisch-astronoınischen Instrumente, eine kupferne Himmelskugel, ein hölzerner Himmelsglobus, auf dem die Sternbilder in zarten sicheren Linien dargestellt sind, ein Torquetum, ein Astrolabium (Bild 11). Wir hören, daß er 1444 in Nürnberg ein Torquetum erworben, wo damals geschickte und kenntnisreiche Instrumentenmacher bezeugt sind. Aber die übrigen Instrumente, die er erwarb, sind älter: das .Astrolabium geht: nach der Feststellung Hartmanns ins späte 13., die Himmelskugel ins 14. Jahrhundert zurück.

Bücherei. Doch nun zu der Büchersammlung selbst, die nach dem Marxschen Verzeichnis noch aus 314 Handschriften und. 84 Wiegendrucken (Frühdrucken des 15. Jahrhunderts) sowie zahlreichen späteren, teilweise mit Stichen und Holzschnitten ausgestatteten Druckschriften besteht. Leider sind im Laufe der Jahrhunderte viele, wertvolle Bände der Bücherei entfremdet worden und finden sich heute in den Bibliotheken in Brüssel, Paris, London wieder. Von der Bücherei in Cues waren über 270 Nummern nachweislich in des Kardinals Besitz. Wir finden hier viele seiner Werke, Sammlungen seiner Predigten, Briefwechsel und Bemerkungen zum Baseler Konzil und zu seinen Streitigkeiten mit Herzog Sigismund von Tirol. Zahlreiche andere Bände enthalten Bandbemerkungen in seiner engen, zierlichen Handschrift. Wir finden weiter Handschriften in hebräischer, griechischer, lateinischer und deutscher Schrift und Sprache. Unsere Augen werden gefesselt durch den kunstvollen Buchschmuck mit Initialen, Randleisten und Miniaturen deren älteste Beispiele sich in einer Handschrift des Alten Testamentes aus dem Kloster Springiersbach aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts finden: erfindungsreich verschlungenes Bandwerk mit interessanten Personendarstellungen,

6. EineSeite aus dem Hauptwerke des Kardinals "De docta ignorantia" (Handschrift 218, um 1460).

wie dem Löwenkampf Simsons (Bild 2) und den Männern, die einen Mauerring der Israeliten tragen. Dann die kleinen Bilder auf Goldgrund oder gemustertem Grund aus dem 14. Jahrhundert, die in langgezogene Ranken mit Blattschmuck, launigen Tiermasken und Figuren aus Fabeln eingefügt sind (Bild 9). Interessant sind derartige Darstellungen der verschiedenen kirchlichen Weihen in einem Pontificale Romanum, einer Handschrift, die Papst Nikolaus Piccolomini auf seiner Reise durch Deutschland erworben haben wird und später dem Kardinal geschenkt hat. Besonders schön ist das Satzbild oft bei den Bibelkonkordanzen, deren eine von kleinem Format ein besonders fein gemaltes Blatt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, vielleicht kölnischer Herkunft, zeigt. Gleichaltrig sind Handschriften von italienischer Hand in etwas anderer Farbengebung mit einem volleren, fleischigeren Blattwerk. In einem solchen Bande der Dekretalien findet sich ein Bild des Papstes Bonifatius VIII. mit seinem Gefolge (Bild 7). Aus des Kardinals Jugendzeit sehen wir eine Handschrift, die aus dem fleißigen Augustinerchorherrenkloster am Weidenbach in Köln stammt, aus seiner weiteren Lebenszeit solche im Geiste des italienischen Humanismus, wobei auch eine griechisch geschriebene mit reizvoller, puttogeschmückter Leiste in fein abgestimmten Farben. Andere Handschriften des 15. Jahrhunderts, deutscher und italienischer Herkunft, zeigen heraldischen Schmuck. Von den Wiegendrucken ist der wertvollste ein Exemplar des Catholicon von Gutenberg vom Jahre 1460, das einzige bekannte, das auf Pergament gedruckt ist. Bei diesen Drucken, die sich durchweg durch eine schöne Satzanordnung auszeichnen, fehlt kaum eine der bekannten alten Druckereien von Köln, Frankfurt, Venedig, Basel, Paris.

5. Geburtshaus des Kardinals im Dorf Cues am Gestrade,
erneuert 1570 (Wappentafel aus diesem Jahre über dem Hauptgesims).

Bucheinbände. Wir sind in einem. wahren Museum alter Buchkunst, das nicht zuletzt auch alle Wandlungen guter Einbindekunst des 15. bis 18. Jahrhunderts zeigt. Aus der ältesten Zeit Ledereinbände mit Rautenmusterung und Tierfiguren oder heraldischen Zeichen in Stempelpressung, aus der Renaissancezeit Bände mit gepreßten Schmuckleisten, aus der Zeit des Rektors Schoenes (1754-1783) reich wirkende und gut verteilte Arabesken in Goldpressung, zum Teil wahre Prachtbände. Ein Missale Romanum ist in Sammet mit reichem Silberbeschlag aus dem Jahre 1723 gebunden.

6. Siegel des Kardinals Nikolaus von Cues

Inhaltlich ist diese Bücherei, die größtenteils aus theologischen und juristischen Schriften besteht, aber auch solche medizinischen, geschichtlichen, geographischen und allgemeinen Inhalts umfaßt, noch bei weitem nicht ausgeschöpft, ebensowenig wie die Werke des Nikolaus von Cues selbst, der durch sie weiterwirken wird, wie sich gerade in unserer Zeit wieder seine politischen Ideen über die Einheit der Weltanschauung und des Staatslebens, über die Reichsreform und den ständischen Aufbau als fruchtbar erweisen. Welche Freude, dem Denken und Wirken eines großen Mannes an einer Erinnerungsstätte wie dieser nachgehen zu können, von der aber auch der flüchtigere Besucher mit einem großen Eindruck scheidet.

7. Papst Bonifatius VIII. mit Würdenträgern der Kirche (aus Handschrift nr. 250, 15. Jahrhundert).

 

 

 

8. Kelche und Ziborium des Hospitals (aus dem 15. Jahrhundert)

9. Miniatur und Initiale des 14. Jahrhunderts (Handschrift 281)

Literatur: I. Marx, Verzeichnis der Handschriftensammlung des Hospitals zu Cues, Trier 1905. — I. Hartmann, Die astronomischen Instrumente des Kardinals Nikolaus von Cues: Mitteilungen der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften, Göttingen 1919. — Derselbe, Die ältesten deutschen astronomischen Instrumente: Zeitschrift für Instrumentenkunde, 40, Berlin 1920, Seite 221f. — H. Vogts, Das Hospital zu Cues (Deutsche Kunstführer an Rhein und Mosel, Verlag B. Filser, Augsburg), 1927. — Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Kreis Bernkastel, bearbeitet von H. Vogts, 1935. — Die eingefügten Abbildungen sind größtenteils dem letztgenanntenWerke entnommen. — Über des Kardinals Leben und Schriften u.a.: J. Übinger, Lebensgeschichte des N.v.C.: Histor. Jahrb. der Görresges. 1895. — Ders., Philosophie des N.v.C., Würzburg 1881. — E. Vansteenberghe, Le cardinal N.d.C., Paris 1920. — L. v. Pastor, Geschichte der Päpste im Zeitalter der Renaissance, Freiburg 1935. — G. Kallen, Reich u. Rhein: Rhein. Heimatbl. XII, 1935, 5.1998.

10. Tür zum Refektorium

11. Astronomische Geräte des Kardinals

12. Aus der Handschrift 131 (um 1400), in der Initiale O die Darstellung der Weihe der Kaiserin

13. Siegel des Hospitals

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