
1. Porta
Nigra
Das augusteische
Trier. Der feste Ausgangspunkt für die Geschichte des römischen
Trier ist die 1888 gefundene Ehreninschrift für Lucius Caesar, einen
der beiden Enkel des Augustus, eine monumentale Bauinschrift, durch
die ein großer Bau in der Stadt Trier zu Beginn unserer christlichen
Zeitrechnung sicher bezeugt ist. Demgemäß spricht dann auch alle
Wahrscheinlichkeit dafür, daß, wie andere gallische Städte (Augustodunum
= Autun bei den Aeduern, Augusto-Nemetum = Clermont-Ferrand bei den
Arvernern) so auch Trier, die Augusta Treverorum ihre Entstehung
verdankt dem dreijährigen Aufenthalt des Augustus in Gallien zur
Ordnung der dortigen Verhältnisse in den Jahren 15—13 v. Chr. Von
dieser Gründung des Augustus haben wir seit 1904 etwas Festes in
Händen in dem rechtwinkligen Straßenplan der römischen Stadt Trier,
der aus: den Ergebnissen der mödernen Kanalisation Triers
herausgearbeitet worden ist (Bild 11). Versagt blieb uns, dabei die
Begrenzung der augusteischen Stadt, von der sich direkt keine Reste,
etwa der Stadtmauer oder eines Stadtgrabens, haben feststellen
lassen. — Ein weiteres Zeugnis für diese Frühzeit Triers aber war
schon länger vorhanden, eine Gemme mit dem Kopf des Kaisers
Tiberius, von Herophilos, dem Sohn des Dioskurides, geschnitten, aus
dem Klosterschatz von Echternach, aber sie wird doch wohl in Trier
selbst ursprünglich gefunden sein (Bild 20). Von den großen
Römerbauten Triers ist keiner schon im 1. Jahrhundert errichtet. Nur
eine Ruine ragt bis in diese Frühzeit, die des Tempels des Lenus
Mars, jenseits der Mosel ein ganzes Stück von der Brücke am Fuße der
Moselberge (Bild 2). Es ist die Stätte, die den bodenständigen
Trierer am nächsten angeht, das Hauptheiligtum der einheimischen
Treverer, die dort ihren größten Gott, den Lenus, den sie später dem
römischen Mars anglichen, und seine Begleiterin Ancamna verehrten.
Gleich daneben war ein zweiter heiliger Bezirk,
in dem Quellnymphen, die Xulsigiae, d. h. die Quellschützerinnen,
mit Lenus zusammen verehrt wurden; denn der Ausgangspunkt des ganzen
Kultes dort ist eine heilige Quelle mit kostbarem Wasser, an dessen
Heilkraft für die Augen das ganze Mittelalter und wohl auch die
heutige Zeit noch
glaubt. (Rekonstruktion des Haupttempels bei D. Krencker, „Das
römische Trier“, 1923.) Tempelbezirk im Altbachtal. Als eine noch
ältere Siedlungs- und Kultstätte ist nachgewiesen auf der Ostseite
vor der augusteischen Stadt das große Tempelgelände im Altbachtal,
das Siegfried Loeschcke erforscht hat, diese größte
Ausgrabungsunternehmung, die Deutschland bis jetzt erlebt hat, eine
Fülle von großen Tempeln, kleinen Kapellen und anderen zum
Kultbetrieb gehörigen Bauten (Bild 3). Die Inhaber der Tempel aber
sind fast ausnahmslos nicht römische Gottheiten, und neben dem
persischen Sonnengott Mithras stehen hier die Kulte wieder von den
verschiedensten einheimischen Gottheiten, unter denen uns besonders
die Dreiheit der germanischen Götter Wodan, Ziu und Donar
interessiert, denen ein besonders bedeutendes Heiligtum mit
Wahrscheinlichkeit zugewiesen wird. Besonders weittragende Bedeutung
aber hat die Tatsache, daß hier unter den Steinbauten in
Pfostenlöchern ältere vorrömische Holztempel festzustellen sind.
Also was wir archäologisch aus dem 1. Jahrhundert Triers wissen, ist
in Wahrheit nicht römisch, sondern treverisch.

2. Ruine des Tempels des Lenus Mars

3. Tempelbezirk
Amphitheater.
Der älteste von den römischen Großbauten ist unser Amphitheater,
einfacher in seiner
Ausstattung als in Südfrankreich und in Italien üblich, mit
Benutzung des Geländes und großen Erdanschüttungen erbaut, gehört es
nach den Scherbenfunden wohl erst in den Anfang des 2. Jahrhunderts
(Bild 4). Im 1. Jahrhundert hat sicher schon ein Holzbau dort
gestanden. Der Steinbau ist stark geplündert. Er war ganz in
Kalksteinverblendung ausgeführt; die in Quadern errichteten Gewölbe
über den Eingängen sind bis auf wenige Steine weggeholt. Wie das
Bauwerk einst ausgesehen haben wird, hat D. Krencker nach den
spärlichen erhaltenen Resten dargestellt. Die zwei Haupteingänge,
die jetzt als breite Lücken das Rund zerreißen, sind natürlich außen
durch Torbauten, innen durch die auch hier umlaufenden
Zuschauer-Sitzreihen geschlossen gewesen.
Thermen.
Vermutlich um die Mitte des 2. Jahrhunderts, vielleicht unter Kaiser
Antoninus Pius, hat Trier dann seine erste ganz große Thermenanlage
erhalten, einen Bau von gewaltiger Flächenaudehnung, auch mit
reichster Ausstattung mit Marmorsäulen und Marmorwandbekleidung. In
seinen Abmessungen übertrifft er die im Grundriß verwandten Thermen
in Jol Caesarea und in Leptis magna um das Doppelte, ein Zeichen,
daß diese Römerstadt, hier in der Nähe der Grenze nach Germanien hin
gelegen, damals bereits etwas Besonderes, Hervorragendes gewesen
ist. Von dem Bau hat 1611 noch eine mächtige Ruine gestanden, die
damals die Jesuiten abgebrochen haben, um ihr Collegium, das heutige
Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, zu errichten. Nur eine etwas höher und
vollständiger erhaltene Ecke im Trümmergelände der heute
freiliegenden Grabung erinnert noch an diesen „Triumphbogen des
Gratian“, wie die Forschung der Barockzeit die Ruine nannte. Die
Grundfläche der ganzen Anlage mißt 190 x 220 m, und die Größe der
Badesäle kann sich mit denen von Rom messen.
Ein Bild von der
einstigen Pracht geben die Zeichnungen des französischen Architekten
Felix Boutron. Aber ein handgreifliches Zeugnis haben wir davon im
Museum, den Marmortorso der verwundeten Amazone aus der Zeit der
Hochblüte der griechischen Plastik, eine Wiedergabe der Amazone des
Phidias (Bild 5).

4. Amphitheater

5. Amazonenstatue

6. Grabmal aus Neumagen. Trier. Landesmuseum

7. Porträt aus Römergrab in Neumagen

8. Porträt aus Römergrab in Neumagen
Wohnbauten.
Neben Dom, Basilika, Amphitheater, Kaiserthermen, Barbarathermen,
Römerbrücke, den alten festen Punkten der Römerforschung, zieht sich
ostwestlich durchdie Mitte der Stadt ein Streifen, auf dem im Laufe
der Jahre die Grundrisse von verschiedenerlei Römerbauten ermittelt
sind, Reste von‘ Privatwohnhäusern an der Giülbertstraße und an der
Südallee, von‘ der Südallee nach Süden ein ganzes Straßenstück in
seiner vollen Breite und an beiden Seiten die pfeilergestützten
Vorhallen, die überall an den Straßen der Stadt beobachtet werden.
Direkt dahinter nach Osten ein Wohnhaus, das einzige bisher in
Trier, das in seiner vollen Ausdehnung bekannt ist (Bild 9), mit
Pfeilervorhalle an der Straße, einem großen Saal und einer
ausgedehnten Badeanlage, wahrscheinlich auch ursprünglich einem
größeren Hof, der später überbaut worden ist. Die schweren
Fundamente in der Stadtmitte ergänzen sich zu einem Marktplatz mit
kleinen Kammern ringsum, der Platz ist auffallend klein, wohl schon
in der Frühzeit angelegt, bevor man die große Entwicklung Triers
voraussehen konnte. Dann ist unter dem heutigen
Hindenburg-Realgymnasium ein ganzer großer Wohnpalast ermittelt
worden, der zwei Häuserblocks umfaßt; der eine Bau umschließt in
symmetrischer Anlage zwei Innenhöfe, der andere vermutlich eine
große Gartenanlage, die von einer Säulenhalle mit anschließenden
Räumen eingefaßt ist.

9. Römische Wohnbauten an der Südseite
Grabmäler. „Die
Bewohner Triers im 2. Jahrhundert sind uns auf den Grabmälern von
Neumagen so lebendig und so lebenswahr dargestellt, daß sie auch für
unsere heutigen Studien der Rassenkunde von Interesse sind: zunächst
ein junges Mädchen, dem man sicherlich Blondhaar zusprechen wird
(Bild 7), dann ein sehr charakteristischer Kopf eines glatzköpfigen,
bärtigen Schreibers (Bild 8), eines Kaufmannes. Aber auch der
Philologos fehlt nicht, die erste monumentale Darstellung eines
Schulmannes, der väterliche Freund und Berater seiner Schüler (Bild
6).
Mosaiken.
Schulmäßige Bildung ist, nach den Steinteppichen der Mosaiken zu
urteilen, damals in Trier und im Moselland schon recht verbreitet
gewesen. Die Besitzer der Römervillen ließen im Bildschmuck
der Mosaikteppiche darstellen, was sie interessierte, und dazu
gehörte auch allerhand „allgemeine Bildung". Das merkwürdigste
Stück, der große Mosaikboden des Monnus, der 1886 bei
den Ausschachtungen für unseren Landesmuseumsbau zutage kam, zeigt
in den 9 Hauptfeldern die 9 Musen mit Erfindern und Dichtern, in der
Mitte Homer mit Calliope und dem ingenium, dem Genie, in einem
zweiten Feld Clio mit Cadmus usf. (Bild 10). Das Mittelfeld umgeben
die Köpfe von 8 Dichtern, die Schulschriftsteller jener Zeit: von
Griechen sind Hesiod und Menander und ein Dio(nysius ?), von Römern
Ennius, Cicero, Livius und vor allem Vergil erhalten bzw. noch
festzustellen. Das Porträt dieses jugendlichen Dichters ist noch
ausgezeichnet vollständig vorhanden.

10. Mosaik des Monnus. Trier. Landesmuseum

11. Stadtplan des römische Triers
(zum Vergrößern bitte anklicken)

12. Münze des Kaisers Postumus
Kaiserresidenz.
Das Monnus-Mosaik ist um 250 entstanden, d.h. kurz vor der Zeit, in
der Trier Residenz des selbständigen Gegenkaisers Postumus wurde,
der von Trier aus das römische Reich beherrschen wollte. Seine
Münzen zeigen ein charakteristisch unrömisches Gesicht, im Typus
unserem fröhlichen Steuermann von einem der Neumagener Grabmäler
verwandt (Bild 12). Von seinem Nachfolger, dem Gegenkaiser M,
Piaonius Victorinus, der nur kurz regierte, besitzen wir im Museum
die Erneuerungsinschrift eines Mosaikbodens. Diese Zeit 260—275 ist
eine Epoche schwerer Kämpfe, während derer die Germanen über den
Rhein tief nach Gallien eindringen und die ruhige Fortentwicklung
jäh unterbrechen. Ein starker wirtschaftlicher Rückgang ist
unverkennbar, damit geht Hand in Hand eine Änderung der
Zusammensetzung der Bevölkerung. In die durch die Kriege verödeten
Landstriche werden in großen Mengen Germanen hereingelassen, die
hier aber treue Untertanen des römischen Kaisers werden. Es ist die
große Leistung des Römertums, daß damals noch einmal die
durchbrochene Grenzwehr wiederhergestellt wird, wenn auch unter
Aufgabe großer Landesteile jenseits des Rheins. Diokletian
organisierte das Reich neu und bestimmte für seinen Mitregenten, den
Caesar Constantius Chlorus, Trier zur Residenz, von wo aus die
Verteidigung der Rheingrenze geleitet werden sollte. Aus dieser
kaiserlichen Zeit stammen die meisten der erhaltenen Römerbauten.
Stadtbefestigung.
Damals wurde der Umfang Triers bedeutend erweitert, es bekam eine
wenigstens
z. T. neue Befestigung mit großen Torbauten. Diese neue Stadtmauer
umfaßt eine Fläche von 287 ha, das Dreifache des römischen Köln. Die
Stadtmauer ist in ihren Fundamenten in ihrer ganzen Ausdehnung
ermittelt, dazu zahlreiche halbrund vorspringende Türme (Bild 11).
Zu dieser Befestigung gehört auch der gewaltige, hochragende Bau der
Porta nigra (Bild 1); ihr in ihren Abmessungen entsprechend das
Südtor, dessen Fundamente ebenfalls ermittelt wurden.
Römerbrücke. Mit
der Porta nigra zugleich sind die heute noch erhaltenen Steinpfeiler
der alten Moselbrücke errichtet (Bild 13). Seit dem trockenen Sommer
1921 kennen wir eine noch ältere Römerbrücke durch die Reste ihres
Pfahlrostes, der damals zutage trat. Diese ältere Brücke läuft
schräg zur Flußrichtung. Neuerdings hat Baurat Kutzbach ermittelt,
daß ein Fundament, das im Zuge der Brückenbahn in der zur Brücke
führenden Schanzstraße liegt, und das in seinem} Quaderbau mit der
Porta nigra übereinstimmt, nicht das Brückentor, sondern ein
Landpfeiler der Moselbrücke ist. Auf die Errichtung dieser mit der
Stadtbefestigung und ihren Toren errichteten Brücke beziehen wir das
von Constantin I. in Trier geschlagene Goldmedaillon, das eine
Stadtbefestigung am Strom, über den eine Brücke führt, zeigt (Bild
14). Diese Münze ist geschlagen zwischen 313 und 316. Das halten wir
für das Datum der Errichtung von Moselbrücke und Porta nigra.

13. Römerbrücke

14. Münze des Kaisers Constantin mit der Moselbrücke
Kaiserpalast. In
diese Zeit der Kaiszrresidenz gehört sicher auch der große
Kaiserbau, von dem die
ganz in der kostbaren Ziegelkonstruktion aufgeführte Basilika der
Hauptteil gewesen, diese riesige ungeteilte Halle, die nach ihrer
Wiederherstellung durch Friedrich Wilhelm IV. als evangelische
Kirche heute wieder ihre gewaltige Raumwirkung ausübt (Bild 15). In
römischer Zeit sind ihre Pfeiler nicht so unvermittelt und frei
sichtbar aufgestiegen, sondern dieser Riesensaal war nur der Teil
eines großen Baukomplexes. Vor der Front lag eine Vorhalle mit
anschließenden Säulenhallen.

15. Basilika

16. Trier Kaiserthermen.
Ergänzter Grundriß von D.Krencker
Kaiserthermen.
Ebenfalls in der Regierungszeit des Constantius Chlorus und des
Constantin errichtet ist der riesige Bau der Kaiserthermen (Bild 16
u. 17). Er ist als einziger Bau schon vollständig erforscht, und auf
Grund der Ergebnisse dieser Arbeit ist ein klares und zuverlässiges
Modell hergestellt worden, mit dessen Hilfe man die ganzen
Bauanlagen mit einem Blick erfassen kann. Nach Westen ein großer
Ringplatz von Säulenhallen umgeben, nach Osten der große Badepalast
mit den zwei Hauptsälen; der langgestreckte des Kaltbades und der an
der bevorzugten Südostseite herausspringende Saal des Warmbades mit
halbrunden Bassinräumen, dazwischen die übrigen Auskleide-, Wasch-
und Baderäume. Eigenartig ist nun, daß dieser wundervoll geplante
Thermenbau niemals seine Vollendung erreicht hat, sondern unfertig
liegen geblieben ist, vielleicht von dem Augenblick ab, da
Constantin sein Interesse ganz dem Osten und seiner neuen Residenz
Constantinopel zuwendete. Ähnliche Nichtvollendung begoMnener Arbeit
sehen wir an den roh belassenen Außenseiten der Porta nigra und an
dem unvollendeten Nordarm des Arenakellers im Amphitheater. Aber als
unter Valentinian I. noch einmal die Grenzwehr gegen die Germanen
neu gefestigt wurde nach dem großen Siege Julians in der
Alemannenschlacht von Straßburg, hat auch dieser Torso der
Constantinsthermen ; eine Vollendung erfahren durch eine großzügige
Umgestaltung. Damals ist der Riesensaal des Kaltbades vollständig
beseitigt und .der Ringplatz zu einem großen Platz erweitert worden.
Vom Thermenbau blieb nur der Warmbadsaal mit einigen angrenzenden
Zimmern übrig. Welchem Zweckdieser spätrömische Umbau der
Kaiserthermen gedient hat, ist noch nicht einwandfrei geklärt. Da
zum Ersatz des beseitigten Bades in der einen Ecke ein kleines
Badehaus neu eingerichtet worden ist, muß die Bauanlage doch wohl
Wohnzwecken gedient haben. Deshalb sei als wahrscheinlichste Deutung
die auf eine Kaserne, etwa die der kaiserlichen Palastgarde,
vorgeschlagen.
Christentum. Im
4..Jahrhundert hatte sich in Trier die gewaltigste Umwälzung in der
Stadt vollzogen, die siegreiche Einführung des Christentums. Im
Mithrasheiligtum des Altbachtempelbezirks sind die Spuren davon
greifbar zutage getreten. Dort fanden sich die von Christenhand
gebrochenen und zerstörten Altäre der Mithrasanhänger noch in
Sturzlage vor. Damals ist dieser ganze reiche

17. Ruinen der Kaiserthermen. Nach einem Aquarell 1825 von Johann
Anton Ramboux

18. Dom. Nordseite
Tempelbezirk der
heidnischen Götter verwüstet und danach die Ruinen der Tempel und
Kapellen zu Wohnzwecken umgewandelt worden. — Aus dieser
christlichen Zeit des römischen Trier besitzt das Landesmuseum einen
reichen Schatz christlicher Grabschriften. Das interessanteste Stück
ist ein Sarg mit der Darstellung der Arche Noahs und der Taube mit
dem Ölzweig. In diesen Bereich gehört der Römerbau, der nach seiner
ganzen Architektur zeitlich am spätesten anzusetzen ist, der
römische Kern der Domkirche (Bild 18 u. 19). An ihrer nördlichen
Seitenfront ist der römische Teil noch heute ganz klar zu erkennen,
ebenso im Inneren, wenn man den Grundriß zu Hilfe nimmt, Welchen
Zwecken dieser eigenartige römische Bau gedient hat, darüber sind
neuerdings verschiedene neue Theorien vorgetragen worden; auch unter
Darstellung, wie der Bau im ganzen ausgesehen haben könnte. Baurat
Kutzbach, der die alte kirchliche Tradition, daß der Bau von Anfang
an als Kirche errichtet sei, vertritt, glaubt, daß neben dieser
großen Kirche schon vorher eine ältere, kleinere gestanden habe, die
aber die gleiche Bauidee verkörpert.

19. Der römische Kernbau des Doms zu Trier.
Nach D. Krencker.
Germanen. Aber
das Bild des römischen Trier des 4. Jahrhunderts wäre unvollständig,
wenn wir nicht dasjenige Element erwähnen würden, das sicherlich
schon in noch römischer Zeit der Stadt Trier eine sehr wesentliche
Rolle gespielt hat, die Germanen. Es wurde schon erwähnt, wie sie
nach den großen Zerstörungen von 275 als Kolonisten ins Land gezogen
wurden, die verödeten Fluren wieder zu bebauen. Aber unsere
Kleinfunde und unsere Keramik des 4. Jahrhunderts verraten einen so
gewandelten Geschmack, daß man auch da das Eindringen eines neuen,
derberen, bäuerlichen Elements deutlich spürt. Unter unseren
Steindenkmälern aber ist wenigstens ein Grabstein eines Germanen von
einem Burgunder Reutilo für seinen im Alter von 20 Jahren gefallenen
Neffen Hariulf errichtet, den Sohn des Hanhawald, einen Prinzen aus
königlichem Geschlecht (Bild 21). Dieser Hariulf hatte in der
Leibwache im Kaiserpalast zu Trier gedient. — In Trier residierte
der römische Kaiser, um die Grenzwacht am Rhein gegen die immer
vordrängenden Germanen zu leiten. Aber seine Umgebung ist schon ganz
von Germanen durchsetzt, und seine Leibwache wird gebildet von
denselben Germanen, gegen deren Stämme er seine Kriege führt. Dieser
unnatürliche Zustand hat ann um 450 zur völligen Überschwemmung auch
dieser letzten Insel der Römerherrschaft geführt. Seitdem ist Trier
ganz germanisch und dann deutsch geworden.

20. Tiberius Gemme in Wien, gefunden bei Trier
Literatur: Fr.
Cramer, „Das römische Trier“. Gütersloh 1911.—
D. Krencker, „Das römische Trier‘, Berlin 1923, Deutscher
Kunstverlag. —
Landesmuseum Trier, Führungsblätter zu den Römerbauten
(1. Barbarathermen, 2. Amphitheater, 3. Porta nigra, 4.
Kaiserthermen, 5. Basilika,
6. Dom, 7. Villa von Nennig, 8. Villa von Fließem).Trier 1934. —
Ausonius, Mosella. Übersetzt und erläutert von W. John, Trier
(1932).
E. KRÜGER

21. Grabstein des Hariulf. Trier. Landesmuseum |