
1.
Perikopenbuch des Erzbischofs Kuno von Falkenstein.
In der ostwärts an dem
Ostchor des Trierer Domes nach den Entwürfen von Ph. J. Honorius
Ravenstein in den Jahren 1702-1709 erbauten Schatzkammer, einem
Prunkstück der trierischen Barockbaukunst, wird eine Reihe von
kirchlichen Geräten, Büchern und anderen Gegenständen aufbewahrt,
deren hoher Denkmalswert dauernden Gebrauch nicht mehr rechtfertigt.
Alte Inventare und
Abbildungen, wie etwa das Wallfahrtsbild von 1655 bei Irsch;
Kd. Dom zu Trier, (Taf. XV), geben einen Begriff von dem
ursprünglichen Reichtum des durch eine lange, wechselvolle
Geschichte auf einen Bruchteil seines ursprünglichen,
zurückgegangenen Trierer Domschatzes. Trotzdem sind noch so viele
kostbare Stücke vorhanden, so daß sie in einer Beschreibung nicht
alle berücksichtigt werden können.

2. Spätantike Elfenbeintafel

3. Spätantike Elefenbeintafel
Geschichte.
Kultgegenstände der römischen und fränkischen Zeit wurden durch den
Normannenbrand im Jahre 882 größtenteils vernichtet. Erzbischöfe und
Domgeistliche, darunter vor allem Erzbischof Egbert, bereicherten in
den folgenden Jahrhunderten den Domschatz durch bedeutende
Schenkungen. Schon im 13. Jh. wurden unter Theoderich v. Wied
kostbare Gegenstände aus der Blütezeit der spät- romanischen
trierischen Goldschmiedekunst eingeschmolzen.
Im Jahre 1794 flüchtete
das Domkapitel den Schatz vor den eindringenden französischen
Revolutionsheeren auf den Ehrenbreitstein und stellte ihn dem
Kurfürsten zur Verteidigung des Erzstifts und des Deutschen Reiches
zur Verfügung. Stark verringert durch Einschmelzung und Verkauf,
gelangte der Rest schließlich nach langem Hin und Her in den Besitz
der Fürsten von Nassau-Weilburg, die ihn im Jahre 1827 an den Dom
des neubegründeten Bistums Limburg a. d. Lahn gaben. Als während des
19. Jhs. die Bischöfe und das Domkapitel den Trierer Domschatz neu
aufbauten, kam ein Teil durch Schenkung, ein anderer Teil durch Kauf
wieder nach Trier zurück. Wieder andere Stücke stammen aus St.
Simeon und den übrigen säkularisierten Kirchen Triers. Das in der
Romantik erwachende museale Interesse in den Kreisen der
Domgeistlichkeit führte dem Dom Gegenstände fremder Herkunft, wie
das Andreastriptychon, das Gozbert-Rauchfaß und die romanischen
Leuchter, zu. J. N. v. Wilmowsky bereicherte die Sammlung um die
Fundstücke aus den Bischofsgräbern.

4. Fränkische (orientalische?) Pyxis.
Im Jahre 1823 stiftete
der Paderborner Domdechant Christoph v. Kesselstatt seine reiche
Sammlung sächsischer Manuskripte, die den Domschatz zu einer der
besten Anschauungsstätten sächsischer Buchmalerei des 12. Jhs:
macht.
Die Gegenstände.
Eine annähernd halbkugelförmige Schale römischen Ursprungs aus
geschliffenem Porphyr ist schon im Jahre 1238 als Trinkschale der
hl. Helena erwähnt. Ein Elfenbeinrelief (Höhe 13,1 cm, Breite 26,1
cm) mit der noch ungedeuteten Darstellung einer Reliquienprozession,
nach Delbrück eine byzantinische Arbeit der 2. Hälfte des 7. Jhs.,
bildete ursprünglich wahrscheinlich den Deckel oder die Wand eines
Reliquienkästchens. Vielleicht kam die Tafel mit der großen
Schenkung des Kreuzritters Heinrich v. Ulmen nach dem ersten
lateinischen Kreuzzug (1204).

5. Frühromanische Elfenbeinplatte
Eine Mantel- oder
Gürtelspange (vielleicht aber auch liturgischer Brotstempel?) des 5.
oder 6. Jhs. (Höhe 4,2 cm, Breite 7,7 cm) zeigt in bescheidener
Schnitzkunst in punkt- und kreisverziertem Rahmen als Flachrelief
die Brustbilder dreier Männer in Priesterkleidung ohne Kopfbedeckung
mit Büchern in den Händen.
Die sog. Mütze des hl.
Simeon, aus spiralförmig aneinandergefügten Tauen, stammt aus dem
Simeonsstift. Durch Schenkung des Domkapitulars und ehemaligen
Dekans des Simeonsstiftes, Joh. Nik. v. Hontheim, kam der ,,Codex
Scti. Simeonis" (Nr. 72), ein griechisches Lektionarium des 9. Jhs.
(130 Blatt, Höhe 26 cm, Breite 20 cm), in den Dombesitz. Auf dem
jetzigen Einband aus roter Samtdecke über einem Holzeinband des 15.
Jhs. ist nur die geschnitzte elfenbeinerne Mittelplatte, mit der
Darbringung Jesu im oberen und der Taufe Jesu im unteren Bildteil,
erhalten, eine beachtenswerte trierische Arbeit der 1. Hälfte des
11. Jhs. (Bild 5).

6. Liturgischer Kamm
Ein granuliertes
Kästchen (Bild 11-12) aus vergoldetem Silber dürfte aus einer süd-
russischen Werkstatt stammen. Es hat in der besonderen Art seiner
Technik nach Rosenberg technische Parallelen an der Krone des Zaren
Wladimir II. Monomach (1113-1125) in Petersburg und an einem
Buchkasten des Klosters Gelat in Georgien. Die den Verschluß
bildenden Löwen und vielleicht auch die die Fläche rahmenden Leisten
wurden in gotischer Zeit hinzugefügt.
Ein Evangeliar aus dem
Ende des 8. Jhs. ist zu einem großen Teil von einem Ostfranken
geschrieben, die übrigen Blätter stammen von einem unter irischem
Einfluß stehenden angelsächsischen Schreiber Thomas, der sich auf
fol. 5b, 125b und 11a eingetragen hat (Bild 7). Die Arbeit des
Ostfranken, Initialen, Kanonesbögen, das Blatt mit dem Brustbild
Christi, eine Darstellung der Erzengel Michael und Gabriel und das
Matthäusbild sind aus byzantinischen Vorlagen in das fränkische
Formgefühl umstilisiert. Von dem Schreiber Thomas stammen eine Reihe
von Initialen, das Markus- und das Lukasbild.
Es ist noch ungeklärt,
ob eine etwa 11 cm hohe Pyxis aus Knochen fränkischen oder
orientalischen Ursprungs ist (Bild 4).
Aus dem 10. oder 11.
Jh. stammt ein elfenbeinerner liturgischer Kamm (Höhe 11,5 cm,
Breite 10,8 cm) mit eingeschnitzter Fisch-, Drachen-, Einhorn- und
Mäanderornamentik (Bild 6). Eines der kostbarsten erhaltenen Stücke
ottonischer Goldschmiedekunst ist der Andreastragaltar
(Egbertschrein) (Bild 8-9). Ein Kasten aus Eichenholz, dessen
Äußeres mit Gold, Email und Edelsteinen verziert ist, in den
Schiebedeckel ist ein Altarstein eingelassen. Die klar gegliederten
Längsseiten zeigen den in der ottonischen Kunst so beliebten
farblichen Dreiklang von Gold, Grün und Elfenbeinweiß. Die
Mittelfelder sind mit einem Löwen, die Seitenfelder mit je einem
Evangelistensymbol ausgefüllt. An den Seitenteilen sind
Goldplättchen über eine rote Glasfläche gelegt, die in
durchbrochener Arbeit, in Nachbildung der teppichartigen
Hintergründe der Buchmalerei und byzantinisch-sassanidischer
Teppiche, Ranken- und Tiermuster darstellen. Ein die Mitte der
vorderen Schmalseite bildendes, rundes Zierstück ist in
spätgotischer Zeit durch eine gravierte Goldplatte ersetzt worden.
Das Mittelstück der rückwärtigen Schmalseite bildet eine ottonische
Fibel, in deren Mitte ein Aureus Kaiser Justinians I. (527-565)
eingelassen ist. Durch die Anordnung der Evangelistensymbole rings
um die Brosche herum erscheint das Kaiserbild in der Bedeutung einer
Christusdarstellung. Auf dem Deckel des Kastens steht ein Fuß, der
mit Goldblech überzogen ist.
Am Egbertschrein
vereinigen sich in harmonischem Zusammenklang antikes Erbe
einerseits aus dem Fortleben der karolingischen Übung, andererseits
aus neu einströmender byzantinischer Weiter- entwicklung, alte
germanische Tradition und ottonisches Farb- und Formgefühl.
Künstlerisch und
technisch noch höher als der Egbertschrein ist das Nagelreliquiar
(Höhe 21,4 cm) einzuschätzen, das zur Aufbewahrung der
Nagelreliquien diente. Ein Zellenemail mit transluzidem Grün als
Grundfarbe und Ornamenten in transluzidem Blau und opakem Weiß macht
hier den Dreiklang der wunderbaren Farbstimmung aus (Bild 10).

7. Angelsächsisch-fränkisches Evangeliar.
Ein teilweise
erneuerter Tragaltar (Nr. 10) ist ein schlichtes Werk des reifen 11.
Jhs. Die Seiten sind mit einem zum Teil vergoldeten gestanzten
Silberblech verkleidet, in den Deckel ist eine beschriftete
Porphyrplatte eingelassen (Bild 13).

8. Der EgbertschesAndreastragaltar

9. Egbertschrein. Einzelheit von der Schmalseite
Bei dem um 1180
entstandenen Andreastriptychon (Nr. 22), einem Werk der am Rhein
wirkenden Maasschule, von O. v. Falke unter die dem Godefroid de
Claire zugeschriebenen Werke eingereiht, ist im Jahre 1605 die
ursprüngliche Füllung im Mittelteil durch eine Andreasstatuette auf
gotisierendem Thronsessel ersetzt (Bild 15). In der Technik wie auch
in den künstlerischen Schmuckformen kreuzen sich Elemente der Kunst
des Maastales und des Rheinlandes. Die bildlichen Darstellungen
zeigen Szenen aus dem Andreasleben. Auf dem Triptychon ist ein Kreuz
angebracht, eine Arbeit der Manufaktur von Limoges in Frankreich um
1200.

10. Hülse für den Nagel
Der Domschatz bewahrt
eine Reihe ausgezeichneter romanischer Vortragekreuze, darunter
eines aus Messingbronze (das Kreuz anscheinend in barocker Zeit
erneuert), eines aus gegossenem Kupfer (gegen 1200), ein anderes aus
der Werkstatt von Limoges (Mitte 12. Jh.), und ein silbervergoldetes
Reliquienkreuz, das auf der Rückseite mit dichten Ranken und
naturalistischen Blättern und Blüten, auf der Vorderseite über
Filigrangrund mit reichem Steinschmuck aus farbig unterlegtem Glas,
Kristallen, Nephrit, Smaragd verziert ist.
Unter den bronzenen
Altarleuchtern sind zwei aus spätromanischer Zeit besonders
beachtenswert, deren klare Formgebung und ausgezeichnete Ziselierung
in die Zeit um 1200 weisen. Zwei andere, der gleichen Zeitstufe
angehörig, mit Resten von Vergoldung, sind in den Flächen mit
Drachen, Vögeln und Ornamenten übersponnen, leere Gruben sind für
Emailschmuck bestimmt. An einer Reihe von Rauchfässern ist eine
durch Jahrhunderte hindurchgehende Entwicklung zu beobachten. Das
Rauchfa Nr. 36 zeigt noch die bis 1100 allgemeine Form einer Kugel
auf kleinem Fuß, mit einfacher Durchbruchverzierung. An einem
zweiten, aus versilbertem Messingguß (Nr. 38) in frühromanischer
Kugelform (Mitte 12. Jh.), sind Becken und Schale ganz in
durchbrochener Arbeit mit stark reliefiertem Laub-, Ranken- und
Figurenwerk ausgeführt, den Abschluß bildet eine hoch- romanische
Architektur. Vier schreitende Männer im Rankenwerk des unteren
Teiles, vier andere den oberen Teil stützend, sind durch
Beischriften als † Lucas, † Marcus, † Johannes, † Mattheus, †
Eufrates, † Geon, † Fison, † Tigris gekennzeichnet.
Eines der bedeutendsten
Zeugnisse der trierischen Metallkunst des hohen Mittelalters ist das
bronzene Weihrauchfaß des Gozbert (Nr. 34; Höhe 22 cm) mit Resten
einer ursprünglichen Vergoldung (Bild 16-17). Das Becken beginnt
über niedrigem rundem Fuß in betont auskragender Sockelzone mit
Atlantenschmuck, über dem sich ein Zentralbau in spätromanischen
Architekturformen erhebt, dessen runde Kuppel von einer
kreisförmigen, zinnenumwehrten Plattform bekrönt ist. An den vier
Ecken des unteren Teiles sind Aaron mit Rauchfaß, Moses mit
Wunderstab, zwei Propheten mit Buch, auf den Giebeln der Kreuzarme
die vollplastischen Figuren von Abel mit Lamm, Melchisedek mit Brot
und Kelch, Abraham, Isaak opfernd, und Isaak, den Jakob opfernd,
angebracht. Auf der Plattform thront Salomon mit Krone. Zepter und
Reichsapfel, an den Stufen des Thrones kauern vierzehn Löwen.

11. Granuliertes Reliquienkästchen.

12. Granuliertes Reliquienkästchen. Einzelheit einer Seitenwand.

13. Früromanischer Tragaltar.
Ein vortreffliches Werk
der schon häufig genannten Werkstätten von Limoges ist die Krümme
eines Bischofsstabes (Nr. 29), um 1150 (Bild 14). Durchbrochenes
Rankenwerk bildet den Knauf, über dem ein Engel mit einem Buch
steht. Die mit Krabben besetzte Krümme endet nach mehrfachen
Windungen in einen Drachen.
Die Stabhülse einer
anderen, ebenfalls aus Limoges stammenden spätromanischen Krümme
eines Bischofsstabes (Nr. 28) (Höhe 32,5 cm) trägt auf blauem
Emailgrund Rankenschmuck und drei abwärts stehende Drachen in
Relief. Der Knauf zeigt in durchbrochener Arbeit Ranken und Drachen.
In der Rundung ist die Verkündigung dargestellt. Der Stab stammt
vielleicht aus dem Sarge des Bischofs Arnold I. von Valencourt
(1169-1183) (Bild 14).
Aus der Stiftung
Kesselstatt stammt ein um 1100 entstandenes Evangeliar aus Abdinghof
(Bibl. Nr. 135, Schatz Nr. 63; 210 Blatt, Höhe 24 cm, Breite 18,5
cm). Der spätgotische Deckel besteht aus einer Kupferplatte mit
stark erhöhtem breitem Randstreifen, der auf gepunztem Grund
ausgespartes Laubwerk und Bergkristalle in hoher Fassung und
Silberrosetten zeigt. Der Bildschmuck, von dem nur mehr die
Kanonesbögen (17), sechs Zierseiten (21, 73 f., 118, 172 f.) und das
Markusbild er- halten sind, verrät angelsächsische Einflüsse.
Noch nicht untersucht
sind Schulherkunft und Einflußquellen der Malerei eines um 1100
entstandenen Evangeliars (Bibl. Nr. 139, Schatz Nr. 68) aus dem
Besitz der Benediktinerabtei Helmward- hausen bei Paderborn (168
Blatt, Höhe 33 cm, Breite 24 cm) mit Kanonesbögen, vier Zierseiten
und Evangelistenbildern. Es scheint aus der älteren Helmwardhausener
Werkstatt zu stammen. Der Deckel (auf dessen Innenseite ein
byzantinischer, persisch beeinflußter Seidenstoff des 9. Jhs. ein-
geklebt ist), mit breiter, steinbesetzter Randleiste, wird durch ein
breites Kreuz mit großer, ovaler Steinfassung im Schnittpunkt der
Kreuzbalken und Steinfassung an den Kreuzenden aufgeteilt.. Die
Emailplatten sind größtenteils verloren. Die Evangelistensymbole
bilden in ihrer von starkem Lebensgefühl getragenen naturnahen
Formensprache einen Höhepunkt der an Roger von Helmwardhausen
anschließenden Schule.
Demselben sächsischen
Kreise gehört, nach dem Ausweis seines Bildschmuckes - vor
jedem Evangelium drei Zierseiten mit Initialen auf purpurnem
Teppichgrund und Evangelisten - auch das Evangeliar Bibl. Nr. 138
(Schatz Nr. 71; 171 Blatt, Höhe 31 cm, Breite 23,5 cm) an.

14. Romanische Bischofsstäbe aus den Gräbern der Erzbischöfe
Heinrich von Finstingen, +1288
und Arnold von Valencourt, + 1183.
Ein zweites, gegen 1100
entstandenes Evangeliar (Bibl. Nr. 137, Schatz Nr. 65; 171 Blatt,
Höhe 31,5 cm, Breite 22,5 cm) mit einfachen Evangelistenbildern und
zwei Zierseiten auf einfarbigem hellem Grund ist bei fernen
Anklängen teils an die Adaschule, teils an die Reichenauer Schule
ein bezeichnendes Beispiel für die bescheidene Höhe der
frühromanischen sächsischen Figurenmalerei. Das Mittelstück des
Vorderdeckels eines Lektionariums (Bibl. Nr. 147, Schatz Nr. 71) aus
dem frühen 12. Jh. zwei aneinandergefügte, die Verkündigung
darstellende Elfenbeinplatten ist nach Goldschmidts Untersuchung
wahrscheinlich eine Hildesheimer Arbeit des frühen 12. Jhs. unter
Anlehnung an ein byzantinisches Vorbild. Die Platten umgibt ein
frühgotischer Rahmen aus Silber mit Blitt- werk auf gepunztem Grunde
und Bergkristallen in Bettungen aus kupfervergoldetem Laubwerk. Ein
aus Tegernsee stammendes Evangeliar (Bibl. Nr. 140/129, Schatz Nr.
69; 171 Blatt, Höhe 25 cm, Breite 25 cm) nimmt wegen der originellen
Form der Kanonesbögen mit lebhaft bewegten Engeln vor goldenem
Hintergrund innerhalb der dortigen Schule des beginnenden 12. Jhs.
eine Sonderstellung ein.

15. Spätromanisches Andreastryptychon mit Kruzifix aus Limoges
und postum-gotischer Hauptfigur

16. Spätromanische Räuchergeräte.

17. Gozbert-Rauchfaß. Einzelheit mit Jakob, Isaak und Esau.
Vergleiche. Abbildung 16
Der Einband des Kodex
(Bild 18) mit einer Kalvarienberggruppe aus Walroß im Mittelfeld,
von Goldschmidt der Welanduswerkstatt zugeschrieben, ist eine der
Kölner Schule nahestehende Hildesheimer Arbeit der 2. Hälfte des 12.
Jhs. Der Metallrahmen ist an den Ecken und jeweils in der Mitte mit
Grubenschmelzplatten belegt. An den Ecken sind die
Evangelistensymbole, oben Moses, unten Johannes der Täufer, links
und rechts Propheten angebracht.
Von dem reichlich
geplanten Bilderschmuck eines spätromanischen Evangeliars aus St.
Godehard in Hildesheim (Bibl. Nr. 141, Schatz Nr. 70; 147 Blatt,
Höhe 36 cm, Breite 22 cm) kam nur eine ganzseitige Initiale zur
Ausführung, die allerdings eine Hauptleistung der von der
Winchesterschule beeinflußten englischen Richtung in der sächsischen
Malerei um 1200 ist. Auf dem Einband (Bild 19) ist im mittleren
Bildstreifen des emaillierten Mittelstücks die Kreuzigung Christi
mit Maria und Johannes dargestellt, im oberen die Noli - me -
tangere- Szene, zuunterst die drei Frauen am Grabe. In die Umrahmung
sind geschnitzte Elfenbeine eingelassen, in den Ecken die
Evangelistensymbole, in der Mitte der Querseiten Maria und ein
Bischof (St. Godehard), am linken Rande die Ecclesia, am rechten die
Synagoge.

18. Hochromanischer Buchdeckel.
Das wundervolle
Evangeliar Nr. 142 (Schatz Nr. 67; 195 Blatt, Höhe 35 cm, Breite 24
cm) vereinigt alle in der Buchmalerei Sachsens gegen 1100
zusammenstoßenden Einflüsse: Einer traditionsgebundenen, dem
Evangeliar Heinrichs des Löwen im Welfenschatz noch verwandten Art
gehören die Darstellungen der Wurzel Jesse, der Taufe Christi
bildinhaltlich Vorläufer der bekannten Deckengemälde in St. Michael
in Hildesheim — und die Zierseiten zu Beginn des Markusevangeliars (fol.
I 54 v., 55) an. Bilder und Initialen auf Goldgrund, in stärkerer
Bewegtheit, mit plastischer Körper- bildung, lassen einen zweiten
von der Winchesterrichtung abhängigen Maler vermuten (fol. 89 v.,
90, 90 v., 91 v.). Eine dritte Hand verrät schon die
spätestromanische Bewegtheit der sächsischen Kunst, wie sie sich in
den Chorschranken von St. Michael verkörpert, und zeigt schon
Ansätze zu dem Stil des Goslarer Evangeliars. Von ihr stammen die
Darstellung des Jüngsten Gerichts, die Zierseite zu Beginn des
Johannesevangeliars und einige Initialen (fol. 145 v., 147, 27 v. u.
a.). Der aus vergoldetem Kupfer getriebene Deckel mit der
Darstellung des thronenden Christus in der Mandorla ist eine Arbeit
des sog. Querner Meisters.
Auch die gotische und
spätgotische Zeit sind mit zahlreichen hervorragenden Denkmälern zum
Teil trierischer Werkstätten im Domschatz vertreten.
Ein hochgotisches
Rauchfaẞ (Nr. 37) aus gegossenem und nachgraviertem Kupfer mit
Becken und Deckel in quadratischem Grundriß hat an den Seiten des
Beckens in durchbrochener Arbeit Engel, in den Giebeln des Deckels
die Evangelistensymbole unter hochgotischer Architektur. Ein
silbernes Kreuz (Nr. 13) mit pyramidenförmigem Bergkristall über
rundem Fuß und Kreuzbalken, die in saphir- und rubinverzierten
gotischen Lilien endigen, ein elfenbeinernes Schmuckkästchen, ein
italienischer Bucheinband, ein Kruzifix (Nr. 26), ein Hornreliquiar,
ein silbervergoldetes Schaugefäß in Monstranzform (Nr. 57) mit
moderner Lunula, ein um 1500 entstandenes Reliquiar und eine Reihe
von goldenen Schaugefäßen (u. a. Nr. 56, 58) sind gute Beispiele
spätgotischer Goldschmiedekunst.

19. Hochromanischer Buchdeckel.
Ein silberner
Bischofsstab, ein charakteristisches und prachtvolles Werk der Zeit
um 1520, ist an den sechseckigen Enden von einer spätgotischen
Architektur umgeben, in deren Nischen Heiligenfiguren stehen.
In den spätestgotischen
Statuetten einer Muttergottes und eines Johannes (Nr. 15, 16),
vielleicht Assistenzfiguren eines Kruzifixes (Höhe 23 cm), aus
getriebenem Silber, verbindet sich, besonders in den Gewändern,
renaissancemäßiges Körpergefühl mit spätestgotischer
Linienzeichnung. Die anscheinend neuen Sockel tragen gravierte
Renaissanceornamente und das Wappen des Kurfürsten Joh. v.
Schonenburg (1581 - 1599) (Bild 20).

20. Spätgotische Statuetten der Muttergottes und des hl.
Johannes.
Ein besonderes
Prunkstück des Domschatzes ist das Perikopenbuch des Erzbischofs
Kuno v. Falkenstein (1380) (188 Blatt, mit etwa 160 Bildern, Höhe 33
cm, Breite 24,5 cm) mit dem Stifterbild auf fol. 2 v. (Bild 1). Nach
der Untersuchung von M. Remy stammt der Kodex aus einer Werkstatt
des Mittelrheins. Die Randverzierungen aus bunten Ranken mit
goldenen Efeublättern spiegeln Einflüsse einer um die Mitte des 14.
Jhs. in der Ile-de-France entwickelten Ornamentik. Die
farbenprächtigen Bil- der zeigen manche Anklänge an französische,
böhmische und italienische Miniaturen des ausgehenden 14. Jhs.; in
örtlicher Sonderart folgen einige von ihnen in der Komposition dem
Egbertkodex (fol. 17, 27, 47, 50, 53, 90).
Nur drei Bilder in
schlichtem Grisaille verraten direkte Einflüsse aus der
Ile-de-France. Die Wiedergabe der Körper- und Raumform steht noch
unter dem Eindruck der geistig abstrahierenden Hochgotik,
Kennzeichen des beginnenden Naturalismus sind daneben Raumtiefe
(trotz der Goldhintergründe), Körperschatten und die Vorliebe für
die Darstellung des Zeitkostüms. Das ganz unmittelalterliche und
individuell aufgefaßte Bildnis des Kuno v. Falkenstein auf dem
Titelbild ist das unmittelbare Zeugnis des neuen wirklichkeitsfrohen
Lebens- und Kunstgefühls, das an der Wende zum 14. Jh. das ganze
Abendland beherrscht. Die Falkenstein-Handschrift ist eine der
ersten und bedeutendsten kunstgeschichtlichen Urkunden für die seit
etwa 1300 immer entschiedenere Einbeziehung Triers in den
mittelrheinischen Kunstkreis.
In einem süddeutschen
Gebetbuch der Frührenaissance (um 1525) (Nr. 74; 347 Blatt
Pergament, Höhe 13 cm, Breite 10,5 cm) in schwarzem Ledereinband mit
barocken Silberbeschlägen zeigt unter 35 ganzseitigen Bildern das
Auferstehungsbild, im Hintergrund eine Stadt mit den
Geschlechtertürmen Regensburgs.
Von den Denkmälern der
Barockzeit sind hervorzuheben zwei Monstranzen (Nr. 11) von der Hand
des Koblenzer Meisters P. Beuthner und die goldene Lunula einer von
Johann Hugo von Orsbeck gestifteten Prachtmonstranz mit 17
Brillanten.
An dem prachtvollen
Bischofsstab des Kurfürsten Georg v. Schönborn (1729-1756) von der
Hand des Augsburger Meisters Franz Thaddäus Lang tragen die
gestanzten, zum Teil in hohem Relief gearbeiteten Ornamente Bandwerk
und Köpfe im Charakter der Zeit um 1700, während am Knauf schon das
Gitterwerk des frühen Rokoko erscheint.
Ein wundervolles,
silbervergoldetes, 39 cm hohes Ziborium mit Rocaille- und Blumenwerk
in Treibarbeit trägt in einer Kartusche das Wappen des Erzbischofs
Boos v. Waldeck.
Von den Arbeiten des
19. Jhs. ist besonders ein silbervergoldeter klassizistischer Kelch
hervorzuheben.
Schrifttum: L.
Pallustre und X. Barbier de Montault, Le trésor de Trèves. Paris
1885.
J. Hulley, Der Domschatz von Trier: Pastor bonus XIII. Trier 1899.
Chr. Lager, Zur Geschichte des Trierer Domschatzes seit der
Französischen Revolution: Trier. Chronik XII, XIII, 1916 u. 1917.
P. Weber, Der Domschatz zu Trier. Augsburg-Köln 1928.
N. Irsch, Der Dom zu Trier: Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, XIII.
Bd., 1. Abt. Düsseldorf 1931, S. 317 ff.
HERMANN BUNJES. Trier
1937. |